Streiks in der Londoner U-Bahn

Interview mit einem Kollegen von der „Underground“, Mitglied der Gewerkschaft RMT und Unterstützter der Betriebszeitung „Tubeworker“

Bei der BVG gab es massive Kürzungen in den letzten Jahren. Wie sieht es in der Londoner U-Bahn aus?
Die Bosse der Londoner „Underground“ wollen aktuell 953 Stellen an den Stationen streichen und jedes einzelne Fahrkartenbüro schließen. Das wird Reisen schwieriger und weniger sicher machen, vor allem für Menschen mit Behinderungen.
Die Regierung will 12,5% des Budgets für das staatliche Transportunternehmen kürzen. Das heißt, neben den Stellenstreichungen stehen noch weitere Einschnitte an. Langfristig wollen sie sogar Züge ohne Fahrer.
Wie habt ihr darauf reagiert?
Dagegen haben wir vom 4.-6. Februar gestreikt. Unser Streik war viel stärker, als die Bosse erwartet haben. Deswegen mussten sie erstmal einen kleinen Rückzieher machen: Der Kürzungsplan wird erstmal nicht umgesetzt und zwei Monate lang wird mit den Gewerkschaften verhandelt.
Aus diesem Grund haben wir einen zweiten Streik, der vom 11.-13. Februar stattfinden sollte, ausgesetzt. Wir haben wirkliche Zugeständnisse bekommen, aber den Druck müssen wir aufrechterhalten.
Läuft der öffentliche Nah­verkehr in London über ver­schiedene Unternehmen?
Ja, über sehe viele! Die Aufsichtsbehörde „Transport for London“ gehört zur Stadtverwaltung. Doch viele Teile des Transportsystems sind privatisiert worden. Die Busse in London werden von 16 verschiedenen Firmen betrieben. Auch die Nahverkehrszüge, zum Beispiel die „London Overground“, sind privat.
Die „London Underground“ dagegen hat unterschiedliche Formen der Semi-Privatisierung erlebt, Teile des Netzes wurden an private Firmen ausgegliedert. Diese verschwendeten ungeheure Mengen Geld und das ganze Projekt kollabierte 2010, als die staatliche Firma diese Dienstleistungen wieder eingliedern musste.  Trotzdem wird viel ausgegliedert, zum Beispiel die Reinigung, die Wartung der Fahrkartenautomaten und die Reparatur der Rolltreppen. Unsere Betriebszeitung „Tubeworker“ fordert eine offensive Kampagne der Gewerkschaft für ein einheitliches, öffentliches, demokratisch kontrolliertes Nahverkehrssystem. Wir wollen einen Plan der ArbeiterInnen und der Fahrgäste für den Transport in London.
Zusammen mit Gewerkschaftern begleiten Behinderten-Aktivisten, Studenten und Andere die Streikaktionen mit öffentlichen Veranstaltungen, Flugblättern und Unterschriftenkampagnen.
Wie wurde der Streik beschlossen?
Entscheidungen werden von den nationalen Vorständen der Gewerkschaften getroffen. Wir müssen noch viel machen, damit Basismitglieder die Richtung des Kampfes bestimmen können. Wir fordern eine bessere Kommunikation: Wir müssen wissen, was in den Gesprächen passiert. Sonst bleibt der Einfluss in den Händen einer kleinen Schicht von Bürokraten.
Wie geht der Streik weiter?
Dieser Kampf wird ohne Zweifel schwierig sein, doch ein Sieg ist möglich. Mit dem ersten Streik zeigten wir, wieviel Macht wir haben. Die ganze Dynamik soll nicht in geschlossenen Verhandlungsrunden verpuffen. Mit weiteren Streiks können wir die Bosse zu weiteren Zugeständnissen bewegen.

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