Streiks während der WM

Interview mit einer Kollegin von der U-Bahn in Sao Paulo, von der Gewerkschaft Conlutas und der Basisgruppe „Metroviários pela Base“

Auch in Berlin kennt man sowas: Volle Züge, immer höhere Fahrpreise, immer größere Verspätungen der Fahrzeuge. Wie sieht es in Sao Paulo, einer der größten Städte der Welt aus?
Der öffentliche Nahverkehr in Brasilien steht am Rande des Zusammenbruches. In den U-Bahn Waggons in Sao Paulo haben wir den Wert von 13 Personen pro Quadratmeter erreicht. Es ist eine absurde Situation, die sehr schlechte Arbeitsbedingungen mit sich bringt. Dieser Zusammenbruch ist Produkt der Privatisierung, der Ausgliederung und der mangelnden Investition.
Gegen eine Erhöhung der Fahrpreise entzündete sich eine große Jugendbewegung letztes Jahr im Juni. Was dachten die ArbeiterInnen über die Demonstrationen und Straßenschlachten?
Die Jugend ging zu Hunderttausenden auf die Straße und sagte „Basta“ gegen das Transportchaos. Zuerst versuchten die Presse, die Regierungen und die Unternehmen, die ArbeiterInnen gegen die Mobilisierung der Jugend aufzubringen. Doch der Kampf war legitim. Viele junge ArbeiterInnen der U-Bahn sind zu den Demonstrationen gegangen.
Gab es auch Streiks?
Ende Juni 2013 gab es einen landeswieten Streiktag. Durch die Mobilisierung der Jugend war es möglich, die Fahrpreiserhöhung im ganzen Land zu stoppen. Doch mit einer großen Mobilisierung der Arbeiter wäre noch mehr möglich gewesen.
Wie kam es zu Streiks direkt im Vorfeld der WM?
Am 5. Juni 2014 haben wir in einer Versammlung mit über 3.000 KollegInnen beschlossen, in den Streik zu treten. Wir forderten 12,2 Prozent mehr Lohn. Wir hatten Kundgebungen organisiert und Flugblätter verteilt, um die Unterstützung der Bevölkerung zu gewinnen. Wir bildeten Streikposten in den wichtigsten Stationen und wurden mehrmals von der Polizei angegriffen – 13 von uns wurden verhaftet. Ein Arbeitsgericht erklärte den Streik für illegal, aber wir haben den Kampf fortgeführt. Am Ende wurden 42 von uns aus dem Unternehmen entlassen, aber wir machen eine große Kampagne für die Wiedereinstellung. Für viele Menschen in Brasilien bedeutet die WM nur Tränengas, Zwangsräumungen und Korruption. Deswegen bekommen wir viel Unterstützung.
Was fordern die KollegInnen in der U-Bahn von Sao Paulo?
Gerade kämpfen wir für den gleichen Lohn für die gleiche Arbeit. Wir wollen eine große Bewegung gegen die Ausgliederung aufbauen. Die WM stellt die sozialen Widersprüche dieses Landes unter Beweis. Deswegen führt unsere Gruppe eine Kampagne für die Verstaatlichung des Transportsektors unter Kontrolle der ArbeiterInnen und der NutzerInnen durch. So wollen wir uns mit den Forderungen der Bevölkerungen verbinden.

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