Sondernummer für die Konferenz „Erneuerung durch Streik“    

Die ganze Gesellschaft ist im Wandel. Auch die Gewerkschaften befinden sich im Wandel. Die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung der Beschäftigten werden immer schlechter. Unterschiedliche Arbeitszeiten, unterschiedliche Bezahlung trotz gleicher Arbeit, befristete Arbeitsverträge, Leiharbeit und viele andere Probleme müssen angepackt werden.

Das Ziel der gewerkschaftlichen Politik muss sein, für eine bessere Zukunft, bessere Arbeits- und Lebensbedingungen in den Betrieben und darüber hinaus, aktiv zu kämpfen! Die Gewerkschaftsarbeit findet in erster Linie im Betrieb statt. Die Betriebe sind die Bataillone der Gewerkschaften. Deshalb müssen die gewerkschaftlichen Strukturen in den Betrieben gestärkt werden.

Wir sind eine Gruppe bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) und wollen mit neuen Ideen und gemeinsamen Aktionen in unserem Betrieb und darüber hinaus die KollegInnen ermutigen, für eine starke und schlagkräftige Gewerkschaft einzutreten. Eine Gewerkschaft muss der aktive Zusammenschluss der ArbeiterInnen für ihre gemeinsamen Interessen sein.

Es bringt nichts, nur über die Verzichtspolitik der Gewerkschaftsführung zu meckern. Wir brauchen eine basisdemokratische Gewerkschaft, die unsere Interessen durchsetzt. Mit unserer Betriebszeitung versuchen wir, KollegInnen für eine Erneuerung der Gewerkschaften zu aktivieren, Diskussionen anzustoßen, Druck für Verbesserungen und Aktionen zu organisieren. Denn wir stehen vor neuen Herausforderungen. Diese können wir nur bewältigen, wenn wir politisch stark sind.

Prekäre Verhältnisse beenden!

Ein sehr wichtiges Thema ist für uns die Bekämpfung der befristeten Verträge. Befristete Arbeitsverträge bedeuten un­sichere Arbeitsverhältnisse, diese machen die KollegInnen erpressbar. Wer fehlerfrei arbeitet, wer keine Fehltage hat, wer an einem freien Tag zur Arbeit kommt, wer nie Nein sagt, was verlangt wird, hat dann wohl beste Chancen, entfristet zu werden. Und alle anderen? Deshalb ist der seelische und körperliche Druck auf die befristet eingestellten Beschäftigten sehr groß.

Befristungen bedeuten Entrechtung. Und das zeigt sich auch bei uns. In der Freizeit Streckenkenntnis erwerben, die Ruhezeiten missachten, krank zur Arbeit kommen, solange es irgendwie gerade noch so geht – das sind Folgen solcher Lohnsklaverei. Wer unter diesen Druck arbeitet, überlegt sich wohl, sich zu organisieren. Somit schwächen die ArbeitgeberInnen auch die gewerkschaftliche Kraft!

FunktionärInnen & SekretärInnen müssen abwählbar sein

Der Weggang unseres zuständigen Sekretärs, der für die dramatische Entwicklung der Löhne und Arbeitsbedingungen in den letzten 25 Jahren und den Zustand der Betriebsgruppe maßgeblich verantwortlich war, war für uns Anlass, uns darüber verständigen, was wir und unsere KollegInnen eigentlich von einer/m Gewerkschaftssekretär/in erwarten. Wir forderten u.a. das Einbinden der aktiven Gruppen, aber auch aller anderen InteressentInnen, nach dem Motto: „Gemeinsam sind wir stark“.

Es soll nicht über unsere Köpfe entschieden werden, wie Aktionen und Kampagnen organisiert werden können. Eine zentrale Kritik, die gerade aus unserer Erfahrung erwächst, ist: Wir Aktive und auch Andere haben in der Frage, wer der/die nächste Gewerkschaftsekretär/in sein wird, keine Entscheidungsmöglichkeit – das ist undemokratisch! Nicht nur verantwortliche SekretärInnen sondern auch alle Vertreter­Innen müssen gewählt werden können. Ebenso müssen sie auch abwählbar sein.

Geflüchtete KollegInnen unterstützen!

Seit Jahren kämpfen Geflüchtete in Deutschland um ihre Rechte. Einige geflüchtete KollegInnen haben während ihres Protests eine entscheidende Frage in den Fokus gerückt: ihre Zugehörigkeit zur ArbeiterInnenbewegung. Im Münchener und momentan im Berliner Gewerkschaftshaus wendeten sie sich mit konkreten Forderungen an unsere Organisationen. In Hamburg sind sie in unsere Gewerkschaft eingetreten.

Doch wurden sie nicht nur mit offenen Armen empfangen. Die bürokratische Stellungnahme aus der ver.di-Bundesverwaltung gegen die Mitgliedschaft von geflüchteten KollegInnen ist eine Unverschämtheit! Sind es doch gerade unsere Gewerkschaftsorganisationen, die den politischen Raum und die Kraft bieten könnten, mit der nicht nur Asylgesetz-Verschärfungen verhindert werden könnten.

Unsere Gewerkschaftsorganisationen müssten der Geflüchteten-Bewegung eine Perspektive sein, als Teil einer Offensive der ArbeiterInnenbewegung für gutes Leben und gute Arbeit in Deutschland und der Welt. Während wir auf die ver.di-Mitglieds­ehrung unseres Personalchefs gerne hätten verzichten können, sind wir in diesem Punkt klar: Die Geflüchteten gehören zu uns!

Das Streikrecht offensiv verteidigen!

Mit dem Gesetz zur Tarif­einheit, soll Massen von abhängig Beschäftigten in Deutschland das Recht genommen werden, organisiert ihre Interessen gegen Unternehmensführungen durchzusetzen. Sich dagegen zur Wehr zu setzen, ist eine wichtige Aufgabe von allen GewerkschafterInnen. Nicht nur dürfen Gewerkschaften das Gesetzesvorhaben keinesfalls unterstützen, sie müssen diese Gesetzgebung gemeinsam aufs schärfste bekämpfen und verhindern!

Deswegen haben wir von ver.di aktiv am 1. Mai den Angriff auf das Streikrecht zum zentralen Thema gemacht sowie vor dem DGB-Bundeskongress im Frühjahr eine Protestaktion organisiert und den aktiven Kampf gegen diese Gesetzespläne gefordert.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.