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Streik am Valentinstag

Interview mit Busfahrern aus dem französischen Lyon

In den Vororten von Lyon gibt es verschiedene Busunternehmen, alle in privater Hand, mit unterschiedlichen Arbeitszeiten, Arbeitsbedingungen sowie unterschiedlicher Bezahlung. Resultierend aus der Unzufriedenheit über Pausenzeiten, Dienste mit langen Unterbrechungen und niedrige Löhne haben die KollegInnen einen Forderungskatalog gestellt.
Ihr habt einen Forderungskatalog. Wie hat sich dieser Katalog entwickelt?
Wir haben gemeinsam mit KollegInnen über unsere Probleme diskutiert. So konnten wir Forderungen entwickeln, die wirklich von uns Arbeitenden selbst kommen. Ein großes Problem ist, dass es keine oder eine zu niedrige Bezahlung der Zwischenzeiten bei geteilten Diensten gibt. Dadurch kann der Arbeitgeber die Dienste bis zu einer Schichtlänge von 12 – 13 Stunden ausdehnen. Je nachdem, wo der erste Teil des geteilten Dienstes endet, von 0% auf dem Depot bis zu 50% in der Pampa. Es wurde also diskutiert, dass diese Zwischenzeiten mit 100% Bezahlung erfolgen müssen.
Die zweite zentrale Forderung betrifft den Stundenlohn. Dies ist und war uns wichtig, weil es diesbezüglich große Unterschiede gibt, einerseits nach dem Alter gestaffelt, andererseits nach der Betriebszugehörigkeit. Demzufolge drehte sich die Diskussion darum, dass es gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit geben muss. Mindestens 12 Euro / Stunde sowie die 100%ige Bezahlung der Zwischenzeiten bei geteilten Diensten waren und sind die Kernforderungen.
War euch klar, dass es nicht nur bei Veranstaltungen bleiben kann, wenn Forderungen umgesetzt werden sollen?
Ja! Der Arbeitgeber schenkt uns nichts. Wir organisierten deshalb einen ersten Streiktag auf unserem Busdepot außerhalb von Lyon. Da der Streik aber auf ein Depot beschränkt blieb, war die Durchsetzungskraft sehr beschränkt. Den Beteiligten war klar, dass es betriebsübergreifende Kampfmaßnahmen geben muss. Da einige BusfahrerInnen von anderen Betrieben zu unserer Unterstützung gekommen waren, beschlossen wir, eine gemeinsame Versammlung einzuberufen. Diese fand im Januar 2014 statt, mit einer Beteiligung von circa 25 KollegInnen von acht verschiedenen Depots. Auch ein hauptamtlicher Gewerkschafter unterstützte uns.
Wir beschlossen einen eintägigen Streik im Raum Lyon, diesen setzten wir auf den 14.02.2014 (Valentinstag) fest. Von circa 1.500 Beschäftigten aus den acht Depots beteiligten sich zwischen 400 und 500 KollegInnen. Ein selbst gemaltes Transparent tauchte mit der Aufschrift auf: „Schenkt eurem Chef zum Valentinstag einen Forderungskatalog“. Eine anschließende Demonstration fand mit circa 200 KollegInnen eine gute Resonanz in der Bevölkerung. Für viele war es die erste Demo in ihrem Leben.
Was war das Ergebnis des Streiks?
Der eine Streiktag hat unsere Forderungen nicht durchgesetzt. Damit hatten wir aber auch kaum gerechnet. Eine Delegation von Streikenden wurde von Regionalpolitikern empfangen. Wie zu erwarten, gab es keinerlei Zusagen zu unseren Forderungen. Die übliche Hinhaltetaktik der PolitikerInnen. Wichtig ist für alle Beteiligten vor allem die erste Erfahrung eines Streiks. Auf diese Erfahrung wollen wir nach der Sommerpause aufbauen.
Wie sehen die Kolleginnen und Kollegen den ganzen Verlauf?
Dadurch, dass viele von uns sich vorher nicht kannten und keine Kampferfahrung besaßen, ist in der relativ kurzen Zeit ein guter Zusammenhalt entwickelt worden. Klar, die Enttäuschung zum Ergebnis ist nicht zu unterschätzen, aber dass es nach der Sommerpause zu neuen Aktivitäten kommen wird, ist für viele eine neue Herausforderung.

Foto: William Hamon / Flickr / Creative Commons

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