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Streiks der MetallerInnen

Am 20. Mai 2015 sind in der Automobilindustrie (Renault, Türk Traktör, Bosch, Ford, u.a.) in der Türkei 20.000 KollegInnen in den Streik eigetreten – ohne Unterstützung der Gewerkschaft. Sie forderten höhere Löhne, bessere Arbeitsbedingungen und das Recht auf freie gewerkschaftliche Organisation. Wir haben mit Nilgün Ongan (Dozentin an der Universität Istanbul) über diese spontanen Streiks gesprochen.
Wie konnte es zu diesen spontanen Aktionen kommen?
Die ArbeiterInnen in der Metall- und Automobilindustrie fordern seit Jahren höhere Löhne und bessere Arbeits­bedingungen. Die Gewerkschaften sind nicht in der Lage, für die berechtigten Forderungen der ArbeiterInnen zu kämpfen. Diese Haltung sorgte bei vielen KollegInnen für Unmut. Die Gewerkschaft Türk Metal hat mit den ArbeitgeberInnen zusammen­gearbeitet. Die Bosse befahlen, die Führung von Türk Metal führte aus. Die spontanen Streiks im Mai sind eine Reaktion auf die arbeitgeberfreundliche Haltung der Gewerkschaften.
Wie hat die Gewerkschafts­führung darauf reagiert?
Auch in diesem Fall stand die Gewerkschaftsführung auf der Seite der Arbeitgeber. Die Arbeiter­Innen haben sich selbst organisiert. Sie setzten ihre Forderungen durch und beendeten ihren Kampf mit einer abschließenden Aktion.
Die KollegInnen stehen nun ohne Gewerkschaft da. Wie wird es weitergehen?
Die ArbeiterInnen wissen aus eigener Erfahrung, dass diese Situation nicht langfristig haltbar ist. Sie müssen ihre Einheit und Entschlossenheit beibehalten und eine Entscheidung treffen. Entweder müssen sie geschlossen einer Gewerkschaft beitreten – in diesem Fall kommen zwei Gewerkschaften in Frage, Türk Metal und Birleşik Metal – und dort ihren Kampf für gewerkschaftliche Demokratie fortsetzen. Oder sie müssen ihren eigenen Weg gehen und eine neue Gewerkschaft gründen. Die ArbeiterInnen diskutieren im Moment über alle Möglichkeiten und werden eine abschließende Entscheidung treffen.
Die MetallarbeiterInnen haben der gesamten ArbeiterInnenklasse gezeigt, dass die Herrschaft der Gewerkschaftsbürokratie überwunden werden kann. Nun kommt es darauf an, mit der notwendigen Eigeninitiative weitere Schritte zu unternehmen und die Einheit der ArbeiterInnen zu erreichen, die sich in diesem Kampf hervorgetan haben.

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