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Wer oder was ist die Basisgewerkschaftsgruppe ver.di aktiv?

Aus der aktiven Zeit des „Netzwerks für eine kämpferische und demokratische ver.di“ kannten sich drei Kollegen, die später zu den Gründern von ver.di aktiv gehörten. Das war 2004, als der Tarifvertrag Nahverkehr (TV-N) in Berlin vor der Einführung stand. Gemeinsam engagierten wir uns gegen die verlogene Politik unseres damaligen Gewerkschaftssekretärs. Doch zwischen 2005 und 2007 wurde der verhasste Tarifvertrag festgeschnürt.

Als 2012 Personalratswahlen anstanden, kam es zur Aufstellung einer Offenen Liste. Diese Gruppe machte regelmäßige Treffen und bildete die Grundlage unserer heutigen basisgewerkschaftlichen Oppositionsgruppe.

Einen Anteil hatte dabei auch der Besuch der ersten „Erneuerung durch Streik“-Konferenz in Stuttgart 2013. In kritischer Auseinandersetzung mit den Stuttgarter Tendenzen hin zu mehr Basisbeteiligung (welche letztlich doch die Macht beim Apparat lassen wollten), diskutierten wir unsere Politik. Um den Jahreswechsel 2013/14 herum entstand so eine Gruppe, die der Stellvertretungspolitik, der Sozialpartnerschaftslüge, dem gewerkschaftlichen Niedergang und der Resignation den Kampf ansagt.

Wir kamen zu dem Entschluss, eine eigene Publikation herauszugeben, um mit mehr Kolleg*innen in Kontakt zu kommen. aktiv soll die Diskussion und das Selbstvertrauen der Kolleg*innen stärken. Dabei legen wir viel Wert auf den Blick über den Tellerrand und versuchen durch Berichte die Erfahrungen von anderen Kämpfen der Arbeiter*innenklasse (auch international) nutzbar zu machen.

Wir nahmen uns als erste im Betrieb offensiv dem Thema Befristungen an. Eine „Rote-Karte-Aktion“ bei einer Personalversammlung bildete den Auftakt. Schließlich interessierten sich die Gremienvertreter*innen auch für dieses bislang „nicht zu ändernde“ Übel. Zur Zeit sind Befristungen vom Vorstand probeweise eingeschränkt.

Beim Streik der Kolleg*innen der DeutscheBahn-Unternehmen (inklusive S-Bahn) solidarisierten wir uns und organisierten auch eine erste kleine Solidelegation.

Unser Blick geht über den Betrieb hinaus. Als 2014 die Geflüchtetenbewegung die aktivste soziale Bewegung im Land war, die Gewerkschaften sich aber wenig für sie interessierten, versuchten wir einzugreifen. Wir organisierten Treffen „Geflüchtete Kolleg*innen und Gewerkschaften“, an denen verschiedene Gewerkschafts- und Refugee-Gruppen teilnahmen. Von diesen Treffen aus gab es eine Kundgebung gegen eine Verschärfung des Asylrechts, Protest gegen die unfassbare polizeiliche Räumung von geflüchteten Kolleg*innen aus dem Berliner DGB-Haus und schließlich Ende 2014 eine größere Veranstaltung im Berliner IG Metall-Haus. Vor allem wollten wir klar machen: Geflüchtete Menschen sind entrechtete Arbeiter*innen. Sie sind unsere Kolleg*innen und Subjekte (nicht Objekte) von politischer Veränderung.

Auch bei der Verteidigung des Streikrechts und dem Widerstand gegen das Tarifeinheitsgesetz versuchten wir uns einzubringen. Wir organisierten eine Protestaktion vor dem DGB-Bundeskongress. Wir thematisierten es in unserer Zeitung und am 1. Mai 2015 auf unserem Banner. Wir organisierten eine Podiums-Veranstaltung zum Thema – zu der unser Betriebsgruppenvorstand seine Beteiligung leider absagte, weil zwei GDL-Mitglieder teilnahmen.

Kurze Zeit später flatterte uns ein Beschluss ins Haus, der versuchte, unsere Tätigkeit zu verbieten. Mit einer Kampagne konnten wir uns aber dagegen wehren und können uns inzwischen wieder im ver.di-Haus treffen.

Sehr stark machen wir uns weiterhin immer für eine Gewerkschaft, in der die Basis wirklich das Sagen hat. Alle Funktionär*innen, auch die Sekretär*innen, müssen von uns Betroffenen gewählt und abwählbar (d.h. uns und nicht dem Apparat verantwortlich) sein. Eine Gewerkschaft muss der aktive Zusammenschluss der Arbeiter*innen für ihre gemeinsamen Interessen sein.

Bisher lief alles nicht ideal. Wir haben noch sehr viel vor.

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