Ergebnis der Online-Umfrage: 80% negativ

Danke an alle, die sich an unserer kurzen Umfrage beteiligten! Dies waren sage und schreibe 275. Davon über 87% Fahrer*innen, aber auch aus anderen Bereichen.

Bewertung-Lohnrunde17

Bewertung-Lohnrunde17-Tabelle

Einen Kampf für die Erhöhung der Bruttolöhne auf halbwegs rentensichernde 2600 Euro hatten wir von der Basisgewerkschaftsgruppe ver.di aktiv gefordert. Die gewählten ver.di Vertrauensleute haben bei der Vertrauensleute-Vollversammlung aber mit großer Mehrheit beschlossen, die (auf Grundlage des Zusatz-Tarifvertrags von 2013) angebotenen 2,5% zu akzeptieren, allerdings solle noch etwas dazukommen. 2,5% + X war die Formel.

Am Ende standen nun 2,5 % Lohnerhöhung für Alle (d.h. bei Fahrer*innen ca. 51,06 EUR brutto) und ein etwas kompliziertes Plus für alle Neubeschäftigten der Lohngruppen 1-6: Für diese Kolleg*innen wird der nächste Stufenanstieg innerhalb der Lohngruppe (regulär alle vier Jahre) einmalig um 12 Monate verkürzt.

BVG-Personalvorstand Dirk Schulte präsentiert die Konzernführung als spendablen Gönner, wenn er erklärte: „Obwohl das Betriebsergebnis der BVG für das Jahr 2016 unter der vereinbarten Bandbreite lag, haben wir dennoch 2,5 Prozent mehr Entgelt für alle Entgeltstufen angeboten. Einmal mehr möchten wir uns damit bei unseren Mitarbeitern für ihre exzellente Arbeit bedanken“

Nicht so großspurig, aber dennoch zufrieden, erklärte die ver.di Tarifkommission, sie habe „zu der Entgeltrunde 2017 deutlich gemacht, dass gerade bei den Beschäftigten und den unteren Entgeltgruppen eine Verbesserung geschehen muss.
Mit diesem Ergebnis haben wir einen ersten Schritt dafür getan, dass Beschäftigte durch die lineare Erhöhung, als auch durch den vorzeitigen Stufenaufstieg mehr Entgelt bekommen.“
(Tarifinfo 08, 22.05.2017)

Bei unserem ver.di aktiv Treffen am 24. Mai standen sich zwei Sichtweisen gegenüber: Einerseits die von Sekretär Jens Gröger vermittelte positive Haltung der Tarifkommissionsmehrheit und des Betriebsgruppenvorstands. Andererseits unsere Position, den Abschluss als überhaupt nicht ausreichend zu kritisieren.

Um die Diskussion zukunftweisend zu vertiefen und zu verbreitern, haben wir eine kleine Umfrage gestartet. Die 275 Antworten, die wir bekommen haben, sind natürlich nicht repräsentativ, doch geben sie einen Einblick, dass die Meinung zum Lohnabschluss sich zumindest in einem zentralen Sektor der Beschäftigten überhaupt nicht mit der Meinung der ver.di Betriebsgruppenführung deckt.

WER STIMMTE AB?

BT-BVG

Bereich-Lohnrunde17

Alt-/Neubeschaeftigte

 

Rund 48% der Teilnehmenden gaben an, Neubeschäftigte zu sein und den Lohngruppen 1-6 anzugehören. Trotz Lohnstufenaufstiegsverkürzungs- „Schmankerl“ (rbb-online) will offenbar auch unter ihnen keine Feststimmung aufkommen.

NEUBESCHÄFTIGTE LG 1-6

Lohnrunde17-Neubeschaeftigte1-6

Ein Großteil der Kolleg*innen, die unsere Umfrage erreichte, gehören der Lohngruppe 5 an (nicht überraschend – denn schließlich gehören wir überwiegend selbst dazu). Im Gegensatz zu den 68% mit Lohngruppe 5 stehen 2,7% mit zweistelliger Lohngruppe. Insofern kann man sagen, dass die Lohngruppen mit den größten Lohnzuwächsen (von LG 10/Stufe 1: + 80,45 EUR bis LG 15/Stufe 5: +142,56 EUR) bei uns ziemlich sprachlos sind (ganz anders in der ver.di Verhandlungskommission).

LOHNGRUPPEN

Lohngruppen

Hinzuzufügen ist, was im „Ergänzungstarifvertrag Zukunftsicherung“ von 2013 unter §3 Absatz 2 sogar direkt formuliert ist: „Eine abweichende Verteilung im Rahmen des Budgets ist jederzeit im Wege der Einigung der Tarifparteien möglich.“ Dies wurde von der Tarif- und der Verhandlungskommission nicht ansatzweise genutzt. Man hätte das Volumen der 2,5% so verteilen sollen, dass die unteren Lohngruppen mehr bekommen, wie wir es auch gefordert hatten.
Doch selbst wenn wirklich nicht mehr als 2,5% drin gewesen wären, wäre es äußerst fragwürdig, wenn man diesen Abschluss als gut verkauft, wie dies einige Gewerkschaftsfunktionär*innen tun.

Dem gegenüber stehen realitätsnahe Kommentare wie:

„Neu beschäftigte gehen bereits nach 1 oder 2 Jahren, weil es eben zu wenig Geld gibt. Da bringt die eine Verkürzung auch kein Erfolg beim Bleiben der Kollegen.“

oder

„Für die Verantwortung die man trägt und sich fast täglich den Ärger der Fahrgäste zuzieht sowie teilweise zu knappe Fahrzeiten, definitiv zu wenig.“

BVG-Management (und Berliner Senat) sind offenbar der Meinung, für einen funktionierenden oder sogar guten Nahverkehr in Berlin reichen eine professionelle Imagekampagne und einmal im Jahr ein Dankschreiben an das arbeitende Volk aus:

LobBVG

Heiße Luft und gelbe Liebe – davon sollen wir Leben?
Wenn Personalvorstand Schulte in Profil 3/2017 der Meinung ist, „Wir wollen die Besten haben, (…) auch unter der großen Gruppe der Fahrerinnen und Fahrer“, dann sollten er und seinesgleichen schleunigst darüber nachdenken, wie und mit welchen Mitteln dies zu erreichen ist. Doch der Vorstand verkauft seinen Sparkurs auf Kosten von Arbeiter*innen und Fahrgästen lieber als Triumphzug. Wie in der Mai-Ausgabe der Profil „ Mehr Fahrgäste, mehr Stammkunden, mehr Investitionen in die Zukunft – BVG legt einen positiven Jahresabschluss für 2016 vor und kann Schulden abbauen.“
Ein*e Kolleg*in kommentiert:

„Traurig dass man sich brüstet mit 2,5%. Ein Busfahrer mit dem alltäglichen Stress und Gefahren verdient viel mehr als diese Lächerliche Summe. Aber naja so soll es sein. Teile und Herrsche heißt es ja im Volksmund.“

Und an dieser Stelle sollten alle Gewerkschafter*innen aufpassen. Wer da den Schuss nicht hört, hat nichts verstanden. Oder braucht es ganz plakativ mit dem Holzhammer:

„Ich habe die Hoffnung aufgegeben in Verdi und Co.“

„2,5%? Einfach nur lächerlich. Ich kehre nun endgültig Verdi den Rücken.“

GEWERKSCHAFTSMITGLIEDSCHAFT

Lohnrunde17-Gewerkschaftsgrafik

Lohnrunde17-Gewerkschaftstabelle

Die Umfrage zeigt: Wir brauchen dringend einen gewerkschaftlichen Kurswechsel.
Das passiert nicht von alleine und geht nur dadurch, das Stellvertretungs-Denken zurückzudrängen. Und das ist ein riesiges Problem, das sich auch in den Kommentaren widerspiegelt: Es gibt keine einzige Zeile davon, dass jemand bereit ist, sich selbst für Ziele und Forderungen verstärkt einzusetzen. Doch diese uns vom bürokratischen Apparat anerzogene Konsumentenhaltung ist Gift. Die Heilung bringt nur das Verständnis, dass Gewerkschaften keine Versicherungsbüros sind, deren Service man kauft, sondern demokratische Kampforganisationen die von einer aktiven Mitgliedschaft beherrscht werden könnten.

Schon unsere Existenz als noch relativ schwache antibürokratische Oppositionsgruppe, die ein Programm für eine konfliktorientierte und basisdemokratische Gewerkschaft verteidigt, hat gewisse Veränderungen bewirken können. Es gab immerhin bei dieser Lohnrunde Mitgliederversammlungen und eine Vertrauensleute-Vollversammlung – trotz verschiedener Mängel sind das demokratische Elemente, wo normalerweise allein die Tarifkommission entscheidet. Eine breit organisierte und aktive Basis könnte ver.di völlig verändern. Und an die Stelle von unzureichenden Lohn-Deals wie diesem einen erfolgreichen Kampf für gute Löhne und Arbeitsbedingungen setzen.

Alles in Allem muss man sagen, hier innerhalb der BVG gibt es nicht nur eine Baustelle, es gibt mehrere. Ob die Aufgaben eines für Arbeitende und Fahrgäste guten Nahverkehrs zukünftig bewältigt werden können, hängt von unserem Engagement ab.
Wir von ver.di aktiv sagen:

Wollen wir es schnell erreichen, brauchen wir noch Dich und Dich!

4 Gedanken zu „Ergebnis der Online-Umfrage: 80% negativ

  1. 100%kurswechsel nötig mit allen mittel..
    Es muss definitiv gestreikt werden damit auch das volk unsere forderungen hört und uns unterstützt.dem druck würde senat und betrieb nachgeben müssen.

  2. Die ver.di wird sich immer hinter der Regierung verstecken, die dann auspusaunt, wir müssen für Gehälter der Beschäftigten schmal halten, da sonst andere Unternehmen in den Markt drängen werden und das Arbeitslose geboren wird. Völliger Blödsinn, aus Werl gern Gruppen wollen​ die ihre Fahrer rekrutieren? Es gibt am Markt kein Fahrpersonal und der Nachwuchs wird jetzt schon an den Ausbildungsstätten abgegrast.
    Wenn wir wirklich mehr Geld haben wollen und ich spreche nur für Neubeschäftigte, gibt es nur noch einen Weg dort hin, müssen wir streiken und wenn die Mehrzahl der Altbeschäftigten das anders sieht, auch ohne ihre Hilfe. Es ist längst so weit, dass die Mehrzahl im Fahrdienst Neubeschäftigte sind.

  3. Die ver.di wird sich immer hinter der Regierung verstecken, die dann auspusaunt, wir müssen für Gehälter der Beschäftigten schmal halten, da sonst andere Unternehmen in den Markt drängen werden und das Arbeitslose geboren wird. Völliger Blödsinn, aus Werl gern Gruppen wollen​ die ihre Fahrer rekrutieren? Es gibt am Markt kein Fahrpersonal und der Nachwuchs wird jetzt schon an den Ausbildungsstätten abgegrast.
    Wenn wir wirklich mehr Geld haben wollen und ich spreche nur für Neubeschäftigte, gibt es nur noch einen Weg dort hin, müssen wir streiken und wenn die Mehrzahl der Altbeschäftigten das anders sieht, auch ohne ihre Hilfe. Es ist längst so weit, dass die Mehrzahl im Fahrdienst Neubeschäftigte sind. Auch in den Reihen der Tarifkommision und Personalräte, sollte der Anteil von Neubeschäftigten viel höher sein, aber das was an Personalratswahlen die n der BVG vor sich geht, ist nur eine Sicherung, nicht im Fahrdienst tätig zu sein.

  4. Einfach schlecht eure Darstellung. Nur Stimmungs mache auf kosten von uns allen. Zeigt und rechnet dochmal was wir letztes Jahr und dieses Jahr bekommen haben.
    Und wo war denn euer Protest in der Tarifkomission? Habe euch nicht gehört, verlogen seid ihr.

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