by Leif Jørgensen (CC BY-SA 4.0, wikipedia)

Kommentar: Ackern in der Anstalt

von einem Kollegen im Busbereich

Wenn man bei der BVG als Fahrer im Busbereich arbeitet, muss man gaaanz viel Sitzfleisch und Dauerkonzentration mitbringen. Dies trifft sicherlich auf die anderen Bereiche gleichwohl zu. Trotzdem fahre ich gern. Es macht mir Spaß, mit den Fahrgästen in Kontakt zu kommen.

Jedoch gibt es Dinge, die den Arbeitstag zum Horror machen. Die Ausgleichszeiten, auch Wendezeiten genannt, sind oft so gestaltet, dass sie in die Fahrzeit hinein reichen, weil das Zuspätkommen auf vielen Linien permanent nicht abgestellt wird. Gerade zu den Berufsverkehrszeiten wird die Fahrzeit zwar etwas verlängert, aber dafür die Wendezeit verkürzt, dies oft auf nur noch vier bis fünf Minuten. Hierzu gibt es die Aussage eines Vorstandmitgliedes, dass es wirtschaftlich sinnvoller ist, diese Zeiten so kurz wie möglich zu halten.

Somit fährt man automatisch später los. Das sind nicht nur mal eben zwei oder drei Minuten, sondern sechs bis sieben Minuten oder auch noch später. Gegebenenfalls bekommt man dann Probleme mit den Fahrgästen. „Bitte wenden sie sich an die zuständige Abteilung” (Fahrplanmanagement), lautet dann meine Antwort. Der Fahrer ist völlig genervt, wenn er zu wenig Pause hat und das auf Fahrgäste übertritt. Eventuell kann man Beschwerden vermeiden?!? So unmenschliche Dienste dürfen gar nicht erst zugelassen werden. Da kann es nicht sein, das der Personalrat sein OK dafür gibt. Mit solchen Argumenten muss mit der Firma verhandelt werden.

Es gibt jedoch auch zum Thema Verteilung so manches Defizit, beispielsweise, zwei Stunden fahren, eine Stunde Pause, dann fünf Stunden am Stück fahren – oder auch mehr. Diese Konstellation geht natürlich auch anders herum. Man ist quasi nur noch am Fahren und hat kaum noch Luft zum Atmen! Über neun Stunden auf dem 296/396… tut Dir nicht auch der Rücken weh und das überaus laute Geklapper der Bustüren, oder Klappen, nervt Dich auch noch dazu?

Womit das Thema Busuntersuchungsintervalle genannt ist. Mehr Personal in den Werkstätten könnte hier eine gute Abhilfe schaffen, sofern dies auch auf Mängelformulare gemeldet wird. Wir müssen unbedingt einen Weg finden, dass es für alle Beteiligten erträglich wird. Es kann doch wohl nicht sein, dass man nur noch total ungern zur Arbeit kommt. Es kommt ja leider auch noch dazu, dass sich eben konstruktiv an den Fahrplan gehalten wird. Falls man diesen nicht schafft, fährt oft die Angst mit, weil zu befürchten ist, Ärger vom Vorgesetzten zu bekommen, dass die Fahrtüchtigkeit in Frage gestellt werden kann.

Will die BVG etwa Ihren Busbereich auflösen und allen das Leben schwer machen?

Ich weiß, dass man arbeiten muss und auch sein Pensum zu schaffen hat, aber nicht unter solchen menschenunwürdigen Bedingungen. Wir sind keine Roboter! Ich bin gerne der Busfahrer und möchte schon ganz gerne bis zur Rente bleiben – und diese auch gesundheitlich erleben!

Wir müssen definitiv besser aufklären, dass man nicht nach Runden bezahlt wird. Aber man will auch nicht der einzige sein – deshalb halte ich ein Pausengespräch zu diesem Thema für zielführend.

Wenn die BVG kein Geld hat oder nicht anständig bezahlen will, dann muss sie eben besonders positive Arbeitsbedingungen schaffen. Wenn es geschafft werden könnte mit der Lohnangleichung, dann wäre es ein sehr großer Schritt. Ein Altbeschäftigter hat um die 2.000 Euro Netto und ein Neubeschäftigter circa 600 Euro Netto weniger. Nach drei bis vier Jahren haben sich die meisten entschieden zu bleiben, dann sollte eine Angleichung zu den Altbeschäftigten erreicht sein.

Ich mache mir zwar noch keine großen Gedanken zur Rente, muss jedoch aus einigen Gesprächen erkennen, dass es wichtig ist, einen Lohn zu bekommen, der vor Altersarmut schützt. Darum unterstütze ich die Forderung von ver.di aktiv nach einem Einstieglohn von 2.600 Euro Brutto, verbunden mit einem viel besseren Stufenaufstieg als dem bisherigen. Pro Stufe in EG 5 müssten schon 100 Euro sein. Ich stelle mir sowieso die Frage, warum es bei uns 15 Entgeltgruppen geben muss, jeder muss seinen „Mann“ / „Frau“ stehen.

Ich hab leider wieder mitbekommen, dass einige aus der Gewerkschaft austreten wollen. Dies halte ich zwar nicht für dienlich, weil unterm Strich dann keiner mehr für unsere Interessen gegenüber dem Arbeitgeber eintreten kann. Leider Gottes sehe ich jedoch die Gewerkschaft ver.di in einer Defensivphase, dies zum Thema Dienstkleidung und nun auch zur Lohnrunde. Zu ändern ist dieses Dilemma jedoch nur mit aktiven Kolleginnen und Kollegen, die nicht nur meckern, sondern sich in die Gremien einbringen. Freiwillig Seminare besuchen, um andere Strategien zu finden, generell Strukturen zu ändern.

WER IM STICH LÄSST SEINESGLEICHEN, LÄSST JA NUR SICH SELBST IM STICH!

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