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Siemens: Widerstand gegen Entlassungen!

Nach der Ankündigung der Geschäftsführung, tausende Stellen in Deutschland streichen zu wollen, haben bereits am Freitag an vielen Standorten Siemens-Beschäftigte gegen die Kürzungen protestiert. Weitere Aktionen sind angekündigt – auch in Berlin.

Die erste Ankündigung von Konzern-Chef Joe Kaeser gab es stilecht im Manager Magazin Ende Oktober. Es dauerte noch ein paar Wochen bis auch die Betroffenen am Donnerstag offiziell darüber informiert wurden, was sie erwartet: International will Siemens 6900 Arbeitsplätze in der Energie-Sparte abbauen, davon mehr als 3000 in Deutschland. Werke in Görlitz und Leipzig sollen geschlossen werden. Allein davon sind rund 900 Kolleg*innen betroffen. Ein Werk in Erfurt soll verkauft werden, ein anderes in Offenbach ist von der Schließung bedroht.

Die meisten Jobs werden in Berlin gestrichen, wo gleich zwei Standorte betroffen sind: Beim Dynamowerk in Siemensstadt sollen 570 Stellen gestrichen werden und bis zu 300 Beschäftigte könnten im Gasturbinenwerk in Moabit ihren Job verlieren.

Die Ankündigung kommt in einer Situation in der der Gesamtkonzern Rekordgewinne einfährt: Rund 7 Milliarden Euro hat Siemens im Jahr 2016 einkassiert. Lediglich in der Sparte „Power & Gas“ sprudeln die Gewinne nicht mehr ganz so sehr, wie es sich die Aktionär*innen wünschen. Also sollen kurzerhand Tausende auf die Straße gesetzt werden.

Die Konzernführung behauptet bei solchen Ankündigungen gern im gleichen Atemzug, dass alles „sozialverträglich“ und „ohne betriebsbedingte Kündigungen“ ablaufen solle. Doch allen Beteiligten dürfte klar sein, dass das bei den aktuellen Plänen ziemlich unrealistisch ist: Bei mehreren Werksschließungen wird höchstens ein Bruchteil der Betroffenen einen neuen Job an einem anderen Unternehmensstandort finden. Und selbst diejenigen, für die es ein annehmbares Angebot gibt, werden damit zum Umzug in eine andere Stadt gezwungen.

Wirklich ungewöhnlich ist das Vorgehen des Managements natürlich nicht. Aber ebensowenig dürfen wir Arbeiter*innen uns mit solchen Angriffen einfach abfinden. Jahrelang hat Siemens dank der Arbeit der Kolleg*innen Milliardenprofite eingefahren. Sobald sich aber geringere Gewinne abzeichnen und ein Erhalt der Arbeitsplätze möglicherweise mit Ausgaben für Umschulung und Weiterbildung verbunden wäre, sollen dieselben Arbeiter*innen rausgeschmissen werden.

Die Beschäftigten bei Siemens haben bereits begonnen, ihrem Ärger Luft zu machen: An mehreren Standorten gab es am Freitag Protestaktionen – inklusive einer Kundgebung am Berliner Dynamowerk. Dort stand die Produktion während der Aktion still. Und nicht nur Beschäftigte aus vielen Bereichen des Dynamowerks nahmen daran teil, sondern auch Kolleg*innen von Ledvance – einer ehemaligen Siemens-Tochter, die an chinesische Investor*innen verkauft wurde und deren Werk ebenfalls geschlossen werden soll.
An diesem Montag organisierte die IG-Metall eine Menschenkette um das Gasturbinenwerk in Moabit.

Doch um diese Angriffe zurückzuschlagen, werden mehr als einzelne symbolische Aktionen nötig sein. Die IG-Metall wäre allemal dazu in der Lage – allerdings muss sie sich dafür von der sozialpartnerschaftlichen Kooperation mit der Geschäftsführung lösen und zu harten Streiks bereit sein. Natürlich nicht nur begrenzt auf die aktuell betroffenen Bereiche, sondern in allen Teilen des Konzerns. Das würde genauso bedeuten, dass die Siemens-Kolleg*innen international gegen die dekadenten Bosse des Weltkonzerns vorgehen.

Am jetzigen DONNERSTAG, dem 23. November soll es wieder Protestaktionen geben.

· Um 08:00 Uhr: Kundgebung mit Delegationen aus Thüringen, Sachsen, Bayern und NRW mit anschließendem Autokorso (Hotel Estrel, Sonnenallee 225, 12057 B-Neukölln)

· Um 14:00 Uhr: Kundgebung (Pullman Hotel Schweizerhof, Budapester Str. 25, 10787 B-Charlottenburg)

Unterstützen wir die Kolleg*innen!
Denn Solidarität von anderen Arbeiter*innen ist wichtig, um einen Kampf zu führen und zu gewinnen. Auch wir werden unsererseits einmal die Solidarität der Siemens-Kolleg*innen dringend brauchen können.
Gemeinsam müssen wir den Zeiten ein Ende setzen, in denen die Bosse meinen, sich ungestraft so eine schamlose Ausbeuterei leisten zu können.

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