Kategorie-Archiv: Ausgabe 3

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Was heißt aktiv sein – und warum?

Es steht fest, dass der derzeitiger Lohn den Arbeitsbedingungen und Arbeitsbelastungen nicht entsprechen! Von vielen KollegInnen wird genau dies zunehmend kritisiert. „Es hat nicht jeder Monat 3 Feiertage!“, „Ich finde es schon ein bisschen sehr wenig für diesen Job mit 1.250 € netto im Monat!“ Diese Aussagen hört man sehr oft. Ja, es stimmt.
Aber wer soll es richten? Frau Nikutta wird nicht zu Dir kommen und Dir mitteilen, dass Du ab dem 30.06.2015 eine Lohnerhöhung von 250 € mehr im Monat bekommen wirst. Von allein wird sich nichts verändern! Gewerkschaftsarbeit ist Freizeitarbeit! Aber einmal mehr, als sinnvolle Arbeit betrachtet, kommt letztlich mehr raus, als seine Freizeit mit Überstunden zu verbringen.
Darin besteht die Hauptaufgabe von Gewerkschaftsmitgliedern. „Ich muss Geld verdienen, habe keine Zeit für mehr Aktivitäten bei euch“, „Meine knappe Freizeit ist mir wichtiger“, „Nach sechs Tagen Arbeit bin ich total fertig“. Stimmt irgendwo alles! Jedoch, es muss ein Weg geben, unsere Zukunft nach dem Motto: „Arbeiten, um zu leben“ und nicht „Leben, um zu arbeiten“ zu verändern. Denn wenn wir heute nicht für mehr Freizeit kämpfen, wir werden morgen noch weniger Freizeit haben!
Deshalb, es gibt keine andere Wahl, als aktiv zu werden!
Werde aktiv mit uns! Seit Oktober 2013 gibt es die Gruppe „ver.di aktiv“. Was wir bisher angeschoben haben und noch anschieben werden, sehen wir als Beginn eines Prozesses. Auch in anderen Branchen werden mit Beteiligung und Konfliktorientierung alte Routinen durchbrochen.

Du fragst: AKTIVHALT nehmen?

Du bist wieder einmal viel zu spät und sollst planmäßig sofort an der Endhaltestelle wieder abfahren?
STOPP!!! DU entscheidest über die Abfahrt!
Der TV N(*) sieht für jede Endhaltestelle eine Mindesthaltezeit von vier Minuten vor – wir nennen es AKTIVHALT.
In dieser Zeit vergewisserst du dich deiner selbst und deines Fahrzeugs, besuchst vielleicht die Toilette und atmest tief durch. vier Minuten sind wenig genug!
DU trägst die Verantwortung für Fahrzeug und deine Fahrtüchtigkeit! Sicherheit geht vor Einhaltung des Fahrplanes.
Wir sagen: AKTIVHALT nehmen!

Aus TV-N Berlin §9 (12): Die planmäßige Haltezeit (im U-Bahnbereich: Kehrzeit) an Endstellen muss im Straßenbahn- und U-Bahn-Betrieb sowie auf Metrobuslinien in der Zeit von 6.00 bis 22.00 Uhr grundsätzlich mindestens 4 Minuten betragen.

Personalversammlungen für 2014

Die Personalversammlung ist nach §45 Abs. 1 Satz 1 des Personalvertretungsgesetzes (PersVG) die Versammlung der Dienstkräfte – egal ob befristet oder festeingestellt – einer Dienststelle.
Die Dienstkräfte haben das Recht, an der Personalversammlung teilzunehmen. Ihre Teilnahme darf nicht behindert werden. Die Teilnahme an Personalversammlungen während der Arbeitszeit hat nach §48 Abs. 1 Satz 2 des Personalvertretungsgesetzes (PersVG) keine Minderung der Bezüge einschließlich Zulagen, Zuschlägen und sonstigen Entschädigungen zur Folge.

Personalrat

Datum

Uhrzeit

Ort

VBU – Fahrzeuge

Di., 14.10.2014

08:00 Uhr

Urania

VBU – Verkehr

Mi., 05.11.2014

08:30 Uhr

Cubix am Alex

VBO – Süd

Fr., 07.11.2014

10:00 Uhr

Bf. Britz

VBS – Verkehr

Di., 11.11.2014

10:00 Uhr

Hotel Holiday Inn

Hvw

Fr., 05.12.2014

09:00 Uhr

Cubix am Alex

VBS – Technik

Di., 18.11.2014

08:00 Uhr

UCI Kinowelt am Eastgate

VBO – Technik

Mi., 26.11.2014

08:30 Uhr

?

VBI

Fr., 28.11.2014

08:00 Uhr

Cubix am Alex

VBO – Nord

Fr., 12.12.2014

09:00 Uhr

Bf. Müllerstr.

Liebe Kolleginnen und liebe Kollegen:
Nehmt euer Recht in Anspruch und beteiligt euch an den Personalversammlungen!

Was tun mit der Dienstkleidung?

Du willst gleich nach dem Dienst in Dienstkleidung mit deiner Frau in einem Kaufhaus einkaufen gehen oder du willst vor dem Dienst in Dienstkleidung mit deinen Kindern in einem Eiscafé ein Eis essen.
Denkst du! Das darfst du nicht!
„Außerhalb des Dienstes darf Dienstkleidung nur auf dem Weg zum und vom Dienst getragen werden!“ So steht es in der Trageordnung für Dienstkleidung. Das heißt jede/r Dienstkleidungsträger/in ist in der Gestaltung ihrer/seiner Freizeit eingeschränkt, weil sie/er die Dienstkleidung trägt. Was muss er/sie machen? Sie/er muss erst nach Hause gehen, sich umziehen und erst dann Freizeit haben.
Wir von der „Offenen Liste“ haben dieses Thema auf die Tagesordnung des Gesamtpersonalrates (GPR) gesetzt, damit mit dem Arbeitgeber eine Regelung getroffen werden kann. Entweder muss der Betrieb für alle Dienstkleidungsträger in den Dienststellen Schließfächer einrichten oder die Wegezeit vor und nach der Arbeit bezahlen oder aber die Trageordnung für die Dienstkleidung ändern!
Wir werden nicht locker lassen, bis eine Regelung getroffen wird!

Erdoğan Kaya (Mitglied des GPR)

Streiks bei Amazon!

Der Streik bei Amazon scheint schon ewig zu gehen. Aber aufgepasst: Was sich dort abspielt ist ein Machtkampf zwischen Gewerkschaft und einem multinationalen Konzern, dessen Ergebnis Folgen für uns Alle hat. Kriegt Amazon die KollegInnen von ver.di klein, ist das ein Schlag gegen alle, denn andere Konzerne werden ermuntert werden, ihre Beschäftigten stärker auszubeuten.
Gewinnt aber unsere Seite, zeigt das, dass man mit den ArbeiterInnen nicht einfach umspringen kann, wie es einem passt, sondern dass sie eine Macht sind. Es geht ums Prinzip! Um in dieser Schlacht zu siegen, muss ganz ver.di zusammenstehen. Auch wir im Nahverkehr müssen tätig werden!

Geflüchtete Kolleginnen und Kollegen…

…sind ArbeiterInnen wie wir, die allerdings ihrer grundlegensten Rechte beraubt sind. Ihre Heimatländer werden von den Banken und Konzernen der reichen Länder geplündert, von korrupten Diktaturen beherrscht und mit Krieg überzogen. Weil sie keine Arbeit haben, von der sie überleben können, verlassen sie die Heimat. Hierzulande aber werden ihre Fluchtgründe in Frage gestellt: Die KollegInnen werden von der Gesellschaft abgeschottet und sind oft zur illegalen Arbeit gezwungen.
Einige der geflüchteten KollegInnen halten diese Zustände nicht mehr aus, sie kämpfen für ihre Rechte. Nur wenige konnten bisher Gewerkschaftsmitglied werden, denn einige BürokratInnen wollen mit den armen Schluckern nichts zu tun haben. Aber Gewerkschaft heißt Solidarität: Geflüchtete haben sich z.B. mit den Osram-KollegInnen und den Amazon-Streikenden solidarisiert. Denn sie wollen auch ein gutes Leben mit guter Arbeit. Die Hetze gegen die „Sozialschmarotzer“, „Armutsflüchtlinge“ usw. ist ausschließlich im Interesse der deutschen Eliten, z.B. den reichsten Zehn Prozent in diesem Land, die schon fast 65% des Nettoprivatvermögens in ihren Händen halten. Wir ArbeiterInnen müssen zusammenhalten – egal woher wir kommen. Komm zur Veranstaltung am 26. November!

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Streik am Valentinstag

Interview mit Busfahrern aus dem französischen Lyon

In den Vororten von Lyon gibt es verschiedene Busunternehmen, alle in privater Hand, mit unterschiedlichen Arbeitszeiten, Arbeitsbedingungen sowie unterschiedlicher Bezahlung. Resultierend aus der Unzufriedenheit über Pausenzeiten, Dienste mit langen Unterbrechungen und niedrige Löhne haben die KollegInnen einen Forderungskatalog gestellt.
Ihr habt einen Forderungskatalog. Wie hat sich dieser Katalog entwickelt?
Wir haben gemeinsam mit KollegInnen über unsere Probleme diskutiert. So konnten wir Forderungen entwickeln, die wirklich von uns Arbeitenden selbst kommen. Ein großes Problem ist, dass es keine oder eine zu niedrige Bezahlung der Zwischenzeiten bei geteilten Diensten gibt. Dadurch kann der Arbeitgeber die Dienste bis zu einer Schichtlänge von 12 – 13 Stunden ausdehnen. Je nachdem, wo der erste Teil des geteilten Dienstes endet, von 0% auf dem Depot bis zu 50% in der Pampa. Es wurde also diskutiert, dass diese Zwischenzeiten mit 100% Bezahlung erfolgen müssen.
Die zweite zentrale Forderung betrifft den Stundenlohn. Dies ist und war uns wichtig, weil es diesbezüglich große Unterschiede gibt, einerseits nach dem Alter gestaffelt, andererseits nach der Betriebszugehörigkeit. Demzufolge drehte sich die Diskussion darum, dass es gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit geben muss. Mindestens 12 Euro / Stunde sowie die 100%ige Bezahlung der Zwischenzeiten bei geteilten Diensten waren und sind die Kernforderungen.
War euch klar, dass es nicht nur bei Veranstaltungen bleiben kann, wenn Forderungen umgesetzt werden sollen?
Ja! Der Arbeitgeber schenkt uns nichts. Wir organisierten deshalb einen ersten Streiktag auf unserem Busdepot außerhalb von Lyon. Da der Streik aber auf ein Depot beschränkt blieb, war die Durchsetzungskraft sehr beschränkt. Den Beteiligten war klar, dass es betriebsübergreifende Kampfmaßnahmen geben muss. Da einige BusfahrerInnen von anderen Betrieben zu unserer Unterstützung gekommen waren, beschlossen wir, eine gemeinsame Versammlung einzuberufen. Diese fand im Januar 2014 statt, mit einer Beteiligung von circa 25 KollegInnen von acht verschiedenen Depots. Auch ein hauptamtlicher Gewerkschafter unterstützte uns.
Wir beschlossen einen eintägigen Streik im Raum Lyon, diesen setzten wir auf den 14.02.2014 (Valentinstag) fest. Von circa 1.500 Beschäftigten aus den acht Depots beteiligten sich zwischen 400 und 500 KollegInnen. Ein selbst gemaltes Transparent tauchte mit der Aufschrift auf: „Schenkt eurem Chef zum Valentinstag einen Forderungskatalog“. Eine anschließende Demonstration fand mit circa 200 KollegInnen eine gute Resonanz in der Bevölkerung. Für viele war es die erste Demo in ihrem Leben.
Was war das Ergebnis des Streiks?
Der eine Streiktag hat unsere Forderungen nicht durchgesetzt. Damit hatten wir aber auch kaum gerechnet. Eine Delegation von Streikenden wurde von Regionalpolitikern empfangen. Wie zu erwarten, gab es keinerlei Zusagen zu unseren Forderungen. Die übliche Hinhaltetaktik der PolitikerInnen. Wichtig ist für alle Beteiligten vor allem die erste Erfahrung eines Streiks. Auf diese Erfahrung wollen wir nach der Sommerpause aufbauen.
Wie sehen die Kolleginnen und Kollegen den ganzen Verlauf?
Dadurch, dass viele von uns sich vorher nicht kannten und keine Kampferfahrung besaßen, ist in der relativ kurzen Zeit ein guter Zusammenhalt entwickelt worden. Klar, die Enttäuschung zum Ergebnis ist nicht zu unterschätzen, aber dass es nach der Sommerpause zu neuen Aktivitäten kommen wird, ist für viele eine neue Herausforderung.

Foto: William Hamon / Flickr / Creative Commons

Gemeinsam Strategien entwickeln. Konflikte führen. Beteiligung organisieren.

Erneuerung durch Streik, Teil II

Zur diesjährigen Konferenz „Erneuerung durch Streik Teil II“ sind weit über 600 Gewerkschaftsaktive aus dem gesamten Bundesgebiet angereist. Scharfe Kritik, begleitet mit Buh-Rufen und Pfiffen, wurde an der Räumung der Geflüchteten aus dem Berliner DGB-Haus am 02.10. durch die Polizei geäußert. Der Hamburger ver.di-Fachbereichsleiter für Besondere Dienstleistungen, Bremme sagte dazu: „Hier erklärt sich eine dem Humanismus und der Solidarität verpflichtete gesellschaftliche Organisation für nicht zuständig für das politische verursachte Leid einer gesellschaftlich schwächsten Gruppe und wirft ihr vor, sie würde ihn an der Arbeit hindern“.
Auch die Tarifeinheit war ein Thema, unter der Losung „Hände weg vom Streikrecht“, wozu einige Workshops eingerichtet wurden. Der Grundtenor bestand darin, dass die Bundesregierung ein Gesetz zur Tarifeinheit erlassen will. Dies wäre ein faktisches Streikverbot für kleinere Gewerkschaften, wie zum Beispiel, Cockpit für die PilotInnen oder die GDL für die LokführerInnen u.v.m. Unterm Strich würde dies für einige Betriebe bzw. Institutionen auch ein Streikverbot für ver.di bedeuten. Dies muss mit aller Macht verhindert werden. Man kann das nur begreifen, wenn man fragt, welche Interessen dahinterstehen. Dann stößt man auf neoliberale Eliten und globale FinanzmarktakteurInnen.
Sicher, die positive Stimmung in Hannover ändert nichts an der Tatsache, dass die Gewerkschaften an vielen Stellen zu schwach sind, weil sie dem Strukturwandel des Arbeitsmarktes in den letzten 25 Jahren zu träge gegenüber standen.

Noch mehr Bundeswehr in Afrika?

Mit aller Macht drängen SPD-Außenminister Steinmeier und CDU-Verteidigungsministerin von der Leyen darauf, immer mehr deutsche SoldatInnen im Ausland Krieg führen zu lassen. Natürlich immer zum Besten der Länder. Wenn dann die Menschen, die durch eine solche Machtpolitik in Not und Elend gestoßen worden sind, vor den Grenzen Europas auftauchen, dann werden sie in von ihren „edlen Helfern“ in den Tod getrieben. Die ArbeiterInnen und Angestellten müssen begreifen, dass diese Politik gegen andere Völker auch eine Politik gegen sie selbst ist. Wenn nun GewerkschaftführerInnen die Zusammenarbeit mit der Bundeswehr suchen, dann ist das ein Schlag ins Gesicht aller ArbeiterInnen und Angestellten. Es ist deshalb dringend, in den Gewerkschaften gegen diese Tendenzen zu kämpfen.

gdl

Solidarität mit den S–Bahn-KollegInnen!

Eine kleine Gruppe von ver.di aktiv hat am 19.10.14 die streikenden Kolleginnen und Kollegen am Ostbahnhof besucht und mit ihnen über den Stand der Verhandlungen unterhalten. Die Erfahrungen aus dem BVG’er Streik vom 2008 wurden ausgetauscht.
Wir wünschen den Kolleginnen und Kollegen von der Deutschen Bahn und S-Bahn viel Erfolg! Denn ihr Erfolg ist unser Erfolg!

Die Solidaritätserklärung von ver.di aktiv