Kategorie-Archiv: Ausgabe 3

Wir sind mehr wert! Echte Lohnerhöhung jetzt!

Die Löhne eines BVG-Altbeschäftigten sind im Zeitraum von 2004 bis 2015 nur um 4,4% erhöht worden. Selbst für Neubeschäftigte betrug die Erhöhung seit 2005 lediglich 19,7%. Wenn man bedenkt, von welcher Basis (1640,00 €) da ausgegangen wurde, einfach nur lächerlich. Im gleichen Zeitraum erhöhten sich die Abgeordnetendiäten der Abgeordneten im Deutschen Bundestag um 29,6% und die Kostenpauschale um mindestens 20%. Dies ist nicht einmal exorbitant viel, denn die Inflation lag von 2005 bis 2015 bei 17,99%. Gleichzeitig wuchs das reale Bruttoinlandsprodukt (also schon Inflationsbereinigt) von 2004 bis 2015 um 16,7%. Wir haben im Gegensatz zu manchem Politiker unsere Arbeit gewissenhaft und ordentlich gemacht.
Wir haben zusätzlich auch deutliche Arbeitsverdichtungen hinnehmen müssen. Es wird Zeit, dass wir das einfordern, was uns zusteht.

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Es wurde umverteilt, und zwar von unten nach oben!
Denn der reale Zuwachs des Bruttoinlandsproduktes straft das Gerede vom Sparzwang, weil kein Geld da ist, und das „wir müssen den Gürtel enger schnallen, weil es nichts zu verteilen gibt“-Gefasel Lügen. Es ist verteilt worden, wie man an den Diätenerhöhungen der Bundestagsabgeordneten sehen kann. Noch deutlicher zu sehen ist das an den Zuwächsen der Unternehmens- und Vermögenseinkommen, wobei wir beim Blick dorthin sogleich feststellen können, wo unser gerechter Anteil am Bruttoinlandsprodukt geblieben ist. Es ist nämlich kräftig umverteilt worden und zwar von unten nach oben!

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Deutschland ist reicher geworden!
Übrigens: Von 2001 bis 2006 ist das Volkseinkommen um 202 Milliarden Euro gestiegen. Um diese Summe ist Deutschland also reicher geworden. Von diesem neuen Reichtum entfallen gut 171 Milliarden Euro auf Unternehmens- und Vermögenseinkommen; das ist ein Anteil von fast 85 Prozent. Auf die Entgelte der 34 Millionen abhängig Beschäftigten entfallen dementsprechend nur knapp 31 Milliarden Euro, ein Anteil von 15 Prozent. Erschreckend: Im Jahr 2005, dem Jahr des Abschlusses des TV-N Berlin, sind die Arbeitnehmerentgelte – erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik – sogar um 5,6 Milliarden Euro gesunken, was bedeutet, dass die Unternehmens- und Vermögenseinkommen stärker zugenommen haben als das gesamte Volkseinkommen. Wir haben mit dem Abschluss des TV-N Berlin also unseren Beitrag dazu geleistet, dass von unten nach oben umverteilt werden konnte, wie nie!

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Inflationsrate wurde künstlich nach unten gerechnet!
Joachim Jahnke schreibt in „DEUTSCHE WIRTSCHAFTS NACHRICHTEN“ am 29.03.2014 unter der Überschrift „Die Schande von Europa: Deutschland beutet seine Arbeiter aus“: „Deutschland schafft seine Arbeiter ab. Der Niedriglohnsektor boomt in kaum einem europäischen Land so wie in Deutschland. Von einer sozialen Marktwirtschaft kann nicht mehr die Rede sein. Die deutschen Arbeiter bezahlen den Preis für die hemmungslose Globalisierung.“ Und er schreibt weiter, wie die Politiker und Statistiken uns belügen:
Bei der Berechnung der Inflationsrate „hat die amtliche Politik unter Schröders rot-grüner Koalition 2002 und 2003 gleich zwei gravierende Neuerungen eingeführt, die beide durch ziemlich künstliche Rechentricks eine niedrigere Inflationsrate herbeiführen, als sie von den meisten Menschen, besonders am unteren Ende der Einkommens-Skala, täglich empfunden wird.
Noch bis zum Ende des Jahres 2002 wurde die Inflationsrate in Deutschland für die einzelnen Haushaltstypen getrennt berechnet. So gab es neben dem Preisindex für Beamte und Angestellte mit höherem Einkommen einen Index für Arbeiter und Angestellte mit mittlerem Einkommen und den Preisindex für Rentner und Sozialhilfeempfänger mit geringem Einkommen.
Natürlich haben sich die Lebenshaltungskosten für die verschiedenen Haushaltstypen sehr unterschiedlich entwickelt. Während z.B. der Preisindex für die höheren Einkommensgruppen von 1995 bis Ende des Jahres 2002 nur um 9,7 Prozentpunkte gestiegen war, mussten Geringverdiener im selben Zeitraum einen Kaufkraftverlust in Höhe von 11,2 Prozentpunkten ertragen.
Doch zum Beginn des Jahres 2003 wurde diese Aufgliederung zugunsten eines einheitlichen Verbraucherpreisindexes abgeschafft. Dieser Index liegt deutlich unter dem von vielen Menschen empfundenen Preisanstieg.
Wer wie beispielsweise Sozialrentner seine knappen Einkünfte im Wesentlichen auf Nahrungsmittel, Strom, Gas, Brennstoffe, Wasser, Wohnung, Verkehrsdienstleistungen, Sprit und Fahrzeugwartung sowie Gesundheitspflege ausgab, hat seit dem Jahr 2000 um etwa 7 Prozentpunkte mehr Inflation ertragen müssen, als die amtliche Berechnung ausweist.
Zweitens wurde 2002 nach dem Vorbild der USA, wo die Statistik schon seit vielen Jahren beliebig manipuliert wird, die sogenannte „hedonistische” Methode der Preisberechnung eingeführt. Das Statistische Bundesamt berücksichtigt dabei die angenommene Qualitätssteigerung von Produkten und verkaufte das als „Qualitätsbereinigung” der Statistik.
Preisentwicklungen werden fortan herunter gerechnet, wenn das Amt eine Qualitätssteigerung annimmt. Wenn z.B. bei einem neuen Computermodell die Taktfrequenz gestiegen ist, dann wird dies vom Statistischen Bundesamt als Preissenkung berücksichtigt. Ähnliche fiktive Preissenkungen in der deutschen Statistik gibt es z.B. bei Gebrauchtwagen, Waschmaschinen und Fernsehern sowie bei Immobilien.
Also sinken die angenommenen Preise für viele Artikel in der amtlichen Preisstatistik immer mehr, obwohl sich die Verkaufspreise nicht entsprechend ermäßigt oder sogar erhöht haben. Anders als in Deutschland gibt es in USA allerdings eine viel beachtete private Berechnung der echten Inflationsrate in ShadowStats. Die amtliche Statistik lag danach seit dem Jahr 2000 jedes Jahr um etwa 3 Prozentpunkte unter der von ShadowStats berechneten.
Diese doppelte Statistikumstellung war also Teil der Schröderschen Reformen. Die Gewerkschaften, die ihren Mitgliedern Erfolge in den Tarifverhandlungen vorführen wollen, orientieren sich natürlich lieber an der künstlich nach unten gerechneten amtlichen Inflationsrate.

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Bundesbank und EZB sind für höhere Tarifabschlüsse!
Am 27.07.2014 schreibt der Tagesspiegel im Wirtschaftsteil unter dem Leitsatz: „Nach der Bundesbank macht sich jetzt auch die EZB für Gehaltssteigerungen in Deutschland stark. Die Tarifparteien verbitten sich solche Belehrungen.“
„Noch mehr Rückenwind für Arbeitnehmer und Gewerkschaften: Neben der Bundesbank wirbt nun auch die Europäische Zentralbank (EZB) für höhere Tarifabschlüsse in Deutschland. EZB-Chefvolkswirt Peter Praet sagte dem „Spiegel“, in manchen Krisenländern der Euro-Zone mit hoher Arbeitslosigkeit seien aktuell eher „niedrige Lohnabschlüsse erforderlich, um Wettbewerbsfähigkeit zurückzugewinnen“. In Staaten wie Deutschland dagegen, in denen die Inflationsrate niedrig und der Arbeitsmarkt in guter Verfassung sei, seien höhere Verdienststeigerungen angemessen. Vor einer Woche hatte sich bereits die Deutsche Bundesbank für höhere Löhne bei den anstehenden Tarifrunden ausgesprochen.“ Und weiter unten: „… das Echo der Gewerkschaften blieb verhalten. „Die Sozialpartner brauchen keine Belehrung in der Tarifpolitik“, sagte der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), Reiner Hoffmann, dem „Handelsblatt“ unter Verweis auf die Tarifautonomie.“
Sauer? Dann legen wir mal los, Kollege Reiner!
Lasst uns für unsere Rechte kämpfen und endlich eine echte Lohnerhöhung durchsetzen!

Zu unserer Veranstaltung am 24.10.2014 wurde darüber eine heftige Diskussion angestoßen. Die in der Mehrheit darauf abzielte, die Entgelttabelle um eine Entgeltgruppe (EG) zu kürzen, so dass die 1 gestrichen wird. Was unterm Strich bedeuten würde, die EG 6 Stufe 1 mit € 2.148 ist dann die EG 5 Stufe 1 (jetzt € 1.963)!

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Was wäre, wenn … die Verteilung zwischen Gewinn- und Vermögenseinkommen und Arbeitseinkommen in Deutschland nicht auf 67% gefallen, sondern seit 2000 bei 72% geblieben wäre?

  • + 1,2 Billionen Euro mehr für die Beschäftigten im Zeitraum 2000 bis 2013;
  • allein für das Jahr 2013 hätte jeder Beschäftigte im Schnitt rund 2800 Euro mehr verdient.
  • Grafiken aus der Broschüre „Soziales Europa geht anders!“ vom Bereich Wirtschaftspolitik des ver.di-Bundesvorstandes

    Deshalb: Echte Lohnerhöhung jetzt!
    Wir sind mehr wert!
    Lasst uns für unsere Rechte kämpfen!
    Und vor allem: Lasst uns alle an einem Strang ziehen!