Kategorie-Archiv: Ausgabe 4

Wendezeiten, Lenkzeit- und Fahrtunterbrechungen, Blockpausen und Sechstelregelung

Als Pausen zählen laut §9 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 Unterabsatz 1 Satz 3 TV-N Berlin nur Arbeitsunterbrechungen von mindestens 8 Minuten Dauer. Spätestens bei deren Beginn muss die Dauer der Pausen feststehen. Sie müssen frei von jeder Tätigkeit sein. Eine Unterbrechung der Pause muss ausgeschlossen sein. Es darf nicht zu erwarten sein, dass plötzlich eine Arbeitstätigkeit ausgeübt werden muss. Dies wäre dann Arbeitsbereitschaft. Wir müssen selbst bestimmen können, wo und wie wir die Pause verbringen wollen. Alle Kurzpausen zusammen müssen mindestens die gesetzlich vorgeschriebene Dauer von 30 Minuten ergeben.
Fraglich erscheint, wie dies an Endhaltestellen, an denen Fahrgastzustieg erfolgt und an denen kein Pausenraum zur Verfügung steht, gewährleistet werden kann und ob dann der Pausenaufenthalt in der Fahrerkabine den Anforderungen an den Gesundheitsschutz der Arbeitnehmer und dem Erholungszweck einer Pause gerecht wird, wenn ein störungsfreier Aufenthalt im Fahrgastraum dann in der Regel nicht mehr garantiert werden kann.
Im TV-N Berlin ist weiterhin festgelegt, dass die zu gewährende Pause durch Lenkzeitunterbrechungen abgegolten werden kann, wenn deren Gesamtdauer mindestens ein Sechstel der im Dienst- und Fahrplan vorgesehenen Lenkzeit beträgt. Lenkzeitunterbrechungen unter acht Minuten werden bei der Berechnung der Gesamtdauer nicht berücksichtigt.
Zitat aus BAG-Urteil 9 AZR 737/07: „Der Begriff “Lenkzeitunterbrechung” entspricht dem in Art. 7 der Verordnung Nr. 561/2006/EG und in § 1 Abs. 1 Nr. 2 Fahrpersonalverordnung verwendeten Begriff “Fahrtunterbrechung”. Dem Kläger soll damit ein Zeitraum zur Verfügung gestellt werden, in dem er keine Fahrtätigkeit auszuüben und keine anderen Arbeiten auszuführen hat und den er ausschließlich zur Erholung nutzen kann (vgl. Art. 4 Buchst. d der Verordnung Nr. 561/2006 (VO Nr. 561/2006/EG) des Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. März 2006 zur Harmonisierung bestimmter Sozialvorschriften im Straßenverkehr und zur Änderung der Verordnungen (EWG) Nr. 3821/98 und (EG) Nr. 2135/98 des Rates sowie zur Aufhebung der Verordnung (EWG) Nr. 3820/85 des Rates (Amtsblatt der EU Nr. L 102 vom 11. April 2006 S. 1)).“
Lenkzeitunterbrechungen beginnen erst mit der tatsächlichen Ankunft am vorgesehenen Haltepunkt an der Endhaltestelle. Fahrtätigkeit ist gerade das Gegenteil einer Lenkzeitunterbrechung. Auch Vorziehen ist Fahrtätigkeit. Also verschiebt sich der Beginn der unbezahlten Zeit laut §9 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 Unterabsatz 3 Satz 2 und 3 TV-N Berlin auf die 11. Minute nach Erreichen des endgültigen Abstellpunktes (BAG-Urteil 6 AZR 374/08). Auf die Pause angerechnet werden können nur Teile der Wendezeit, die eigenständig mindestens 8 Minuten ergeben.
Wie berechnet man nun dieses Sechstel? Alle Fahrten werden laut ausgewiesenem Fahrplan zusammengerechnet. Die so erhaltene Summe wird durch 6 geteilt. Dies ergibt die mindestens zu gewährenden Pausenminuten. Sollte das Ergebnis Minutenbruchteile enthalten, wird auf die nächste volle Minute aufgerundet.
Jetzt werden alle auf dem Fahrzettel ausgewiesenen Pausenbestandteile zusammengerechnet. Das Ergebnis muss gleich bzw. größer der oben berechneten Sechstel-Summe sein. Bitte beachtet, dass Vorziehen Lenktätigkeit und keine Lenkzeitunterbrechung oder Kurzpause ist. Solche fälschlicherweise leider immer noch ausgewiesenen Zeiten können nicht oder nur teilweise mit eingerechnet werden (siehe oben). Sofern bei Omnibusfahrern Lenkzeitunterbrechungen von weniger als 10 Minuten berücksichtigt werden, sollte der entsprechende Dienst wenigstens eine Lenkzeitunterbrechung von mindestens 15 Minuten Dauer enthalten.
Zu beachten ist weiterhin, dass beim Bus – im Unterschied zur Straßenbahn – die ersten zwei Minuten nach Ankunft an der Endstelle nicht in die Pause (aber auch nicht in die Fahrzeit) eingerechnet werden können, da dort dienstliche Tätigkeiten durchgeführt werden sollen, die nicht Teil einer Lenkzeitunterbrechung sein können. Eine entsprechende Regelung fehlt bei der Straßenbahn, obwohl dort ebenfalls fraglich ist, ob die Wendezeit gleich Pause sein kann. Wenn wir weiter oben die Definition einer Pause betrachten, müsste der Straßenbahnfahrer also sofort alles fallen lassen, damit man von einer Pause nach Arbeitszeitgesetz sprechen kann. Eine dem Verfahren beim Bus entsprechende Regelung ist anzustreben. Pausenbestandteile, die 8 Minuten unterschreiten, werden ebenfalls nicht eingerechnet (sollten auf dem Dienstausdruck auch nicht auftauchen).
Während der Bus unter die Fahrpersonalverordnung fällt (eine Lenkzeitunterbrechung muss spätestens vor Erreichen der der Viereinhalb-Stunden-Grenze erfolgen), gilt für die Straßenbahn und die U-Bahn ausschließlich das Arbeitszeitgesetz („Länger als sechs Stunden hintereinander dürfen Arbeitnehmer nicht ohne Ruhepausen beschäftigt werden.“). Beim Bus und der U-Bahn kann die Blockpause auf Abschnitte von jeweils mindesten 15 Minuten Dauer aufgeteilt werden, bei der Straßenbahn muss diese aufgrund der Dienstvereinbarung 09/2009 mindestens 30 Minuten Dauer am Stück betragen.
Schlussbemerkung: § 14 ArbZG eine Abweichung von den Pausenregelungen bei außergewöhnlichen Fällen und Notfällen. Außergewöhnliche Fälle und Notfälle sind solche Vorkommnisse, die sich als äußere Einwirkung auf das betriebliche Geschehen darstellen, etwa in Form von Unfällen und Katastrophen. Aber auch dann ist die Verlängerung nur zulässig, wenn die Folgen nicht anders zu beseitigen sind.
An der für einen Notfall erforderlichen Unvorhersehbarkeit fehlt es, wenn mit dem Eintritt eines Schadens vorhersehbar zu rechnen ist, oder er zum typischen Betriebsablauf oder Betriebsrisiko gehört.
Ist also die Verlängerung der Arbeitszeit absehbar oder beruht die Notwendigkeit der Arbeitserbringung darauf, dass schlecht oder gar nicht geplant wurde, so handelt es sich nicht um Fälle nach § 14 ArbZG.
Aufgrund des Urteils des Bundesarbeitsgerichtes (6 AZR 374/08) sollte ihr also weiterhin Geltendmachungen schreiben, wenn ihr verspätet an der Endhaltestelle ankommt und euch Pausenzeiten abgezogen werden sollen. Ebenso natürlich, wenn ihr an der Endhaltestelle vorziehen müsst und dies „aus Versehen“ nicht berücksichtigt wurde und euch somit ebenfalls unberechtigt Pausenzeiten abgezogen werden (BAG-Urteil 9 AZR 737/07).

Der Weg zum Diensthandy wird erprobt!

Mit einem Pilotprojekt „Mobiler Dienstplan“ sollen circa 50 freiwillige KollegInnen aus dem Fahr- und Betriebsdienst VBO, VBS und VBU die Möglichkeit gewährt werden, persönliche Dienstinformationen über das Internet (private mobile Endgeräte und PC) zu erhalten. Das Projekt startete am 01.02.2015 und endet zum 30.06.2015.
Alle örtlichen Personalräte und der Gesamtpersonalrat sind gefordert, die Entwicklungen zu verfolgen und über Vor- und Nachteile des Projekts und die Durchführung des Diensthandys die KollegInnen zu informieren.

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Neue Technik, die krank macht!

In Form von Flyern wird den KollegInnen des Busbereiches diese Technik rübergebracht. Die Installationsorte sind so gewählt, dass der Busfahrer bei Kontrolltätigkeit der Fahrscheine sich den Kopf so verrenken muss, dass er bald den Dienst nicht bis zum Ende bringen kann, weil er starke Nackenschmerzen hat. Außerdem geht oft der Kontakt zu den Fahrgästen verloren, weil man ständig hin und her gucken muss.
Die Gremien der BVG, sprich örtliche Personalräte und Gesamtpersonalrat stehen an dieser Technikentwicklung, deren Handhabe und Umsetzung in der Mitwirkungspflicht oder Mitbestimmungspflicht. Uns als Gruppe ver.di aktiv erscheint es wichtiger, dass sich genannte Gremien für die Gesundheit des Fahrpersonals in vordringlicher Linie einsetzen sollten.

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Hurra, ein erster Frauenlehrgang erfolgreich!

Im neuen Bus-„News“ ist zu lesen: „Alle Frauen sind auf ihre Wunsch­höfe gekommen!“ Nun beginnt die Zeit der Linienkenntnis mit ihrem Lehrfahrer. ver.di aktiv wünscht allen einen guten Start! Wir sagen jetzt bereits und möchten diesen Satz an alle Kolleginnen rüberbringen: „In der Ruhe liegt die Kraft!“
Gleichzeitig konnten wir im News lesen, dass eine gewisse Zahl der Neuanfängerinnen nach kurzer Zeit wieder das Handtuch geworfen haben. Wie gut zu wissen, dass nun eine 14-köpfige Gruppe gebildet wird, um diesem Mangel auf die Spuren zu kommen. Dies heißt jedoch auch eindeutig, dass Mitarbeiterfragebögen (mit Zeitgutschrift), Mitarbeitergespräche, Ausbildung und Aktivierung von GruppenleiterInnen in dieser Sache keinen durchschlagenden Erfolg brachten.
ver.di aktiv mit einem Hinweis dazu: Mal ganz abgesehen von dem Maß an „Liebe“, dass die BVG für Arbeitsbedingungen und Entlohnung Ihrer Beschäftigten übrig hat; allein, wenn zum ersten Mal auf Hof Lichtenberg für die Frauen die Linie X69 ansteht, an der Endstelle (Odernheimer Str.) die Toilette besucht werden muss und dieser Blick (der rechte Hebel ist nicht die Handbremse) sich eröffnet, was werden dann Neuanfängerinnen denken?

Türkei: Attacken auf das Streikrecht

In der Türkei streikten Ende Januar 15.000 MetallarbeiterInnen. Auch bei deutschen Ausbeutern, wie KfZ-Zuliefer-Konzern Mahle. Doch die Regierung schränkte per Gesetz das Streikrecht ein und illegalisierte den Lohnkampf!
In drei Fabriken haben die ArbeiterInnen auf Versammlungen Betriebsbesetzungen beschlossen. Wir sollten, allen voran die IG Metall-Kolleg­Innen, Solidarität demonstrieren!

Brot und Rosen: ErzieherInnen-Streiks

Streiks von ver.di, GEW und KOMBA/gkl stehen bevor: In den für uns alle so wichtigen Sozial- und Erziehungsdiensten (KiTas u.a.) geht es um Wertschätzung – materiell und ideell Als klassischen Frauenberufen fehlt es hier daran nämlich sehr. Eigentlich sollten wir Gewerkschaften einen „Elternstreik“ organisieren, der beweist, was die KollegInnen wert sind! Bei Amazon in Hersfeld diskutieren sie schon darüber.

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Unterstützen wir die Kampagne gegen Befristungen bei Amazon Brieselang (BER3) !

und handeln wir zugleich gegen die Befristungspraxis bei der BVG!

Antrag zum Betriebsgruppenvorstand (BGV) der BVG am 21. Januar 2015

Die Auseinandersetzung bei Amazon ist derzeit die wichtigste Auseinandersetzung der Gewerkschaft, deren Ausgang das Verhältnis zwischen Kapital und Arbeit für die nächste Zeit bestimmen wird. Wie der Vorsitzenden unserer Gewerkschaft, Koll. Frank Bsirske zuletzt auch presseöffentlich richtigerweise noch einmal wiederholt hat, geht es bei Amazon um Grundsätze. Es geht darum, ob ein Konzern die Ausbeutungsbedingungen gegen den Widerstand der Beschäftigten durchsetzen und einer der größten Gewerkschaften ihre Bedingungen diktieren kann. Kurz: Es geht bei Amazon auch darum, öffentlich zu zeigen, was die Gewerkschaft überhaupt noch wert ist. Gewinnt das „System Amazon“, indem der Konzern den Einzelhandelstarifvertrag abwenden kann, wird dies ein verhängnisvolles Signal sein. Es wird jedoch umso mehr ein positives Signal sein, wenn die KollegInnen von Amazon ihren Kampf gewinnen. Dafür ist es jedoch nötig, dass ver.di als Organisation handelt. Besonders die mitgliederstarken Regimenter von ver.di, wie wir bei der BVG noch eines sind, müssen in die Schlacht eintreten, wenn wir sie gewinnen wollen. Unserem Gerede von Solidarität müssen Taten folgen, wenn wir für die Arbeitnehmer in diesem Land ein Bezugspunkt sein wollen.
Beim Amazon-Logistikzentrum BER 3 in Brieselang bei Berlin wurden zum Jahreswechsel, zum 10. Jahrestag der Hartz-Reformen, fast 1000 KollegInnen rausgeschmissen. 36 KollegInnen haben unbefristete, etwa 250 andere „Glückliche“ neue ein- bis sechsmonatige Befristungen erhalten. Auch ein aktives Ersatzmitglied des Betriebsrats wird Ende Januar aus dem Betrieb entfernt. Zynischer weise wird bereits jetzt von der Geschäftsleitung nach neuen Arbeitskräften gesucht. Die wenigen KollegInnen, die offen als Mitglieder unserer Gewerkschaft arbeiten, haben eine Kampagne gegen die Befristungspraxis gestartet „Wir wollen bleiben!“.
Auch wir als Betriebsgruppe haben der Kritik an befristeten Arbeitsverhältnissen, die sogar bei uns als Anstalt öffentlichen Rechts grassieren, in letzter Zeit viel Raum gegeben. Bei vielen Personalversammlungen wurde das Thema Befristungen behandelt oder sogar an die erste Stelle gesetzt.
Bereits 2011 haben wir wegen des Streiks bei der Charité, bzw. der CFM und Alpenland Verteilungen von Solidaritätsflugblättern organisiert. Die Betriebsgruppe sollte dies jetzt auf verstärkte Weise wiederholen und die Kampagne „Wir wollen bleiben“ durch die Verteilung von Flugblättern unterstützen. Dabei könnten wir nebenbei auch den Einsatz befristeter Arbeitsverhältnisse insgesamt und bei der BVG kritisieren und so einen Bogen schlagen, von der Auseinandersetzung unserer Gewerkschaft bei Amazon zu unser Lebensrealität und der unserer Fahrgäste. Das könnte:

  • die Kampagne gegen Befristungen bei Amazon entscheidend stärken;
  • den Kampf für den Einzelhandelstarifvertrag bei Amazon voranbringen;
  • den Druck auf unseren BVG-Vorstand erhöhen, um die derzeitige Befristungspraxis zu beenden;
  • den KollegInnen insbesondere im Fahrbetrieb zeigen, dass ver.di etwas wert ist, sie aber auch zur Beteiligung führen!

Berlin, 19. Januar 2015

Antragsteller: Jens Peter Paschke Wolfgang Wendt Erdoğan Kaya

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Interview mit Wolfgang Wendt und Erdogan Kaya, ver.di aktiv

Ihr gehört zu den Gründern der Gruppe ver.di aktiv bei der BVG. Wie war das Jahr 2014 für euch?
Wolfgang: Es war ein erfolgreiches Jahr für uns. Die Gruppe hat sich neunmal getroffen. Die Zeitung aktiv wurde dreimal herausgegeben. Die Verteil-Aktionen sind relativ gut gelaufen, auch wenn wir bei der Beteiligung noch besser werden wollen.
Als Gruppe habt ihr euch verschiedene Ziele gesetzt. Was konntet ihr realisieren?
Erdoğan: Wir haben unsere Ziele in der Gründungsurkunde dargelegt. Ein Seminar mit zehn Kollegen wurde organisiert, an der 1. Mai-Demo beteiligten wir uns mit einem Transparent „Hände weg vom Streikrecht!“, ebenso an der Protestaktion zur Verteidigung des Streikrechts zum Beginn des DGB-Kongresses „Parlament der Arbeit”. Wir haben uns mit KollegInnen von DB/S-Bahn sowie Einzelhandel und Gesundheit solidarisiert, die sich im Arbeitskampf befanden. Mit einem „Offenen Brief“ haben wir uns an den Diskussionen über den/die Nachfolger/in für den/die Gewerkschaftssekretär/in beteiligt sowie die Wähl- und Abwählbarkeit der Sekretär/innen gefordert und dafür Unterschriften unter den Kolleg/innen gesammelt.
Wolfgang: Eine Diskussionsveranstaltung unter dem Motto „Wie ist der Reichtum in Deutschland verteilt“ wurde mit circa 30 Kollegen durchgeführt, bei einer anderen Diskussionsveranstaltung zum Thema „Geflüchtete und Gewerkschaften“ mit über 70 BürgerInnen waren wir von ver.di aktiv präsent.
Wegen der Solidaritätsaktion bei S-Bahn–KollegInnen gab es in der Novembersitzung des Betriebsgruppenvorstandes eine heftige Diskussion. Könnt ihr aktiv-LeserInnen über die Gründe dieser Diskussion aufklären?
Erdoğan: Einige Kollegen von ver.di aktiv haben im Oktober die S-Bahn-KollegInnen besucht, die sich im Streik befanden. Darüber wurde in der 3. aktiv-Ausgabe berichtet. Ein kleines Solidaritätsbild war der Anlass dieser Diskussion. Uns wird vorgeworfen, dass wir damit in einer ver.di-Zeitung die Konkurrenzgewerkschaft GDL legitimieren. Ich möchte hier nochmal deutlich machen, dass wir für eine Zusammenarbeit über Gewerkschaftsgrenzen hinweg stehen. Für uns ist nicht so wichtig, wo die Kollege/innen organisiert sind. Jedoch als lohnabhängig Beschäftigte/r für ihre/seine Rechte zu kämpfen, dies ist schon von Bedeutung. Die Solidarität ist die stärkste Waffe aller Lohnabhängigen.
In fast allen Personalver­samm­lungen wurden die Befristungen als Hauptthema behandelt. Was sagt ihr dazu?
Wolfgang: Das Problem hat uns seit unserer Gründung beschäftigt. Deshalb haben wir in unseren Zeitungen aktiv dieses Thema auf die erste Seite gesetzt. Dies ist ein Problem, an dem menschliche Schicksale abhängen. Das Problem mit weitreichenden negativen Folgen wurde nicht nur in Personalversammlungen, sondern auch in verschiedenen Klausuren behandelt. Das ist ein kleiner Erfolg. Aber es fehlt immer noch ein Konzept, der verantwortlichen PersonalvertreterInnen.
Erdoğan: An den Betriebsgruppenvorstand (BGV) haben wir einen Antrag gestellt, um weitere Schritte gegen die Befristungen zu unternehmen. Das Thema wurde in die Vertrauensleuteversammlungen delegiert, so die Antwort des Betriebsgruppenvorstandes (BGV). Wie es weiter geht, werden wir alle sehen.

kundgebung

Die schwarze Null

Diese Überschrift dürfte jedem BVG‘er bekannt vorkommen. Auch im Bundesgebiet wird dieses Ziel von Bundesverkehrsminister Dobrindt (CSU) in enger Zusammenarbeit mit Bundesfinanzminister Schäuble (CDU) mit aller Härte für das gesamte Verkehrswesen anvisiert. Was das bedeuten könnte, liegt auf der Hand: Die derzeitige Subventionierung der Fahrpreise (liegt bei circa 50%) in ganz Deutschland zu streichen, um somit diesen Bereich der Daseinsvorsorge privatisieren zu können.
Diese Zuschüsse sollen den Plänen der Bundesregierung zufolge ab 2019 für den gesamten Schienenpersonenverkehr und den ÖPNV komplett gestrichen werden. Für das Jahr 2015 steht die Höhe der Bezuschussung noch in den Sternen. Klar ist und bleibt: Dies ist eine Kampfansage an alle Bereiche der Verkehrsinfrastruktur.
Die von der ver.di-Bundes­verwaltung gestartete Kampagne im November 2014 auf dem Alexanderplatz, an der sich zahlreiche BVG‘er beteiligten, kann weder eine Eintagsfliege, noch nur auf ver.di bezogen bleiben. Wir müssen für eine enges Bündnis von ArbeiterInnen und NutzerInnen des Nahverkehrs, von verschiedenen Gewerkschaften, von Sozial-Verbänden und Vereinen aufbauen, wenn diesen Plänen eine wirkungsvolle Abfuhr erteilt werden soll.
Es kann sicherlich nicht nur bei Aktionen und Kampagnen bleiben. Es wird sich in diesem Punkt zeigen, ob ver.di es versteht, KollegInnen zu motivieren, um sich zu einer kämpferischen Gewerkschaft hin zu bewegen, oder ob es nur bei diesem Bild bleibt!

PEGIDA und Rassismus: Gefahr für das friedliche Zusammenleben!

Seit Wochen gehen bundesweit „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ auf die Straße. Es ist nicht neu, dass gegen AusländerInnen, Geflüchtete, MigrantInnen Demonstrationen organisiert werden. Neu ist nur, dass heute nicht nur Neonazis, sondern auch ganz normale BürgerInnen auf die Straße gehen. Diese neue spontane Bewegung sorgte in der Politik, in den Medien und auch in anderen Teilen der Gesellschaft für großes Unverständnis. Die Empörung war sehr groß!
„Man erntet was man sät!“
Was die unverantwortlichen PolitikerInnen und die großen Meinungsmacher-Medien gestern gesät haben, bekommen sie heute vorgeführt. Diejenigen, die gestern vom vollen Boot, von AusländerInnen, die unsere Kassen plündern, von integrationsunwilligen und kriminellen EinwandererInnen geredet haben, diejenigen, die unter dem Motto „Kinder statt Inder“ Unterschriften gesammelt haben, diejenigen, die EinwandererInnen für das Übel des kapitalistischen Systems verantwortlich gemacht haben, treten heute auf und sprechen ihre Empörung aus. Es gab sogar welche, die versucht haben, die unterentwickelten Gene der MuslimInnen wissenschaftlich zu beweisen!
Die Stärke der Herrschenden liegt in der Spaltung der Lohnabhängigen!
Dies ist eine bewusste uralte Politik der herrschenden Klasse, um die Lohnabhängigen von den eigentlichen Problemen abzulenken und den Zusammenhalt zwischen ihnen zu schwächen. Genau das macht heute die angeblich neue PEGIDA-Bewegung! Sie lenkt uns von den wirklichen Problemen ab, die Europäische Zentralbank (EZB) wirft den Finanzmonopolen (Finanzkapital) gerade eine Billion Euro in den Rachen, damit die Profite weiter üppig vermehrt werden können! Die Spannungen in der Ukraine und in Europa – die Entwicklungen im Süden – wachsen! Niedriglöhne, Entlassungen, befristete Arbeitsverträge, Leiharbeit, steigende Steuern, heran rollende Wirtschaftskrise, Armutsrenten, Bildungsmisere, Jugendarbeitslosigkeit, Waffen­export in konfliktreiche Regionen, Auslandeinsätze usw.
„Schwierig, schwierig, aber gibt es nicht die gefährlichen Ausländer?“ Das ist das Lied, das die herrschende Klasse gerne hört! Schlagt euch unten die Köpfe ein, dann können wir ungestört weiter herrschen und unsere Taschen füllen.
Wir lassen uns nicht spalten!
Wir müssen vor jeder Spaltungspolitik den Zusammenhalt durch gemeinsame Diskussionen stärken. Sozialabbau, Niedriglöhne, steigende Ausbeutung, Wohnungsnot und viele andere Probleme betreffen uns alle! Im Arbeitskampf und in anderen sozialen Kämpfen stehen wir, Einheimische und MigrantInnen, Christen, Moslems, Atheisten und Andere gemeinsam für unsere Interessen ein. Wir brauchen eine offene und solidarische Gesellschaft!
Dafür lohnt es zu kämpfen!

Erdoğan Kaya (Vertrauensmann, PR- und GPR-Mitglied)