Kategorie-Archiv: Betrieb

PM: Brief der Fahrer*innen

Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) – Fahrer*innen haben genug

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Anschreiben-Brief-der-Fahrer_innen

Brief-der-Fahrer_innen-18-09-11

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Berlin, 11. September 2018

Basisgewerkschaftsgruppe ver.di aktiv
bei den Berliner Verkehrsbetrieben
www.verdi-aktiv.de

P R E S S E M I T T E I L U N G

Ein Brief der Fahrer*innen fordert radikale Veränderungen bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG)

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Obstkorb

U-Bahn: „Es ist Obst im Haus!!“

Seit Wochen herrschen in Berlin Temperaturen über 30 Grad. Selbst in der Nacht fällt die Temperatur nicht unter 25 Grad. Da könnten die Beschäftigen der BVG doch angesichts der Fürsor­gepflicht erwarten, dass die Firma Maßnahmen für ihr Fahrpersonal ergreift, oder?

Fassen wir mal zusammen: Ende August feiert sich die Firma jetzt mit der her­vorragenden Idee, zweimal die Woche Obst mit sagen­haften acht Kilogramm zur Erfrischung zur Verfügung zu stellen. Für wieviele Fah­rer*innen? Was bringt mir eine Banane bei gefühlten 45 Grad im Fahrer*innen­raum? Während der Wasser­spender in Pankow Ewig­keiten nicht funktionierte. Sollen wir halt dursten.

Wobei – Ende der zweiten Augustwoche gibt es auch für uns einmal Tetrapaks mit Wasser – witzigerweise dann, wenn es wieder kühler wird. Tolle Leistung ganz im Sinne von: „Weil wir dich lieben.“ Warum erst jetzt? Bekom­men „die da oben“ nichts mehr mit? Konnte man mit dem Ereignis „Sommer“ nicht rechnen? Vielleicht sollten die Herrschaften mal wieder die Basis besuchen und mal vier Stunden lang in der Fah­rer*innen­Kabine mitfahren und erleben, wie toll es ist bei 45 Grad arbeiten zu dür­fen – Banane hin oder her.

Warum werden die Lenk­zeiten nicht verkürzt oder warum wird Fahrpersonal nicht nach zwei Stunden ab­gelöst für eine Runde um sich wieder zu akklimatisieren? Weil wir der Firma egal sind…

Bus: Ansagen aus klimatisierten Büros

Auch im Busbereich kämp­fen die Kolleg*innen gegen die extrem Hitze, weil bei vielen Bussen die Klima­anlagen nicht funktionieren.

Wegen defekter Klimaanla­ge dürfte man aber keinen Wagenwechsel vornehmen, schrieb der Betrieb in einer Mitteilung an uns Fahrer*in­nen. Eine ausreichende Wendezeit für Erfrischung ist bei vielen Linien aber bislang nicht möglich.

Nicht nur die Gesundheit der Fahrer*innen sondern auch die der Fahrgäste ist damit gefährdet. Das Ma­nagement trägt die Verant­wortung! Doch das macht höchstens ein trauriges Gesicht und sagt: Wir haben leider kein Personal – womit wir wieder beim TV-Niedrig­lohn gelandet sind!

Erbärmliche Arbeitsver­hältnisse für die Beschäftig­ten, kein Personal. Dieser Kreis muss durchbrochen werden.

Schluss mit TV-Niedriglohn!

Der Manteltarifvertrag muss gekündigt werden!

Vorschläge für die Manteltarifrunde 2018/19

Liebe Kolleg*innen,

Ende des Jahres 2018 läuft der Manteltarifvertrag aus. 2013 endete die letzte Manteltarifrunde (vor gut 5 Jahren!). Nun stehen wir vor der Gelegenheit, mit der Bereitschaft zu persönlichem Einsatz und etwas Kühnheit, eine ernsthafte Verbesserung unserer Löhne und Arbeitsbedingungen durchzusetzen. Diese Gelegenheit müssen wir ohne Frage ergreifen!

Mehr als ein Jahrzehnt nach Einführung des TV-N, haben sich die Zustände bei der BVG immer weiter verschlechtert. Es fehlt an Material und Personal. Auch der gewerkschaftliche Organisationsgrad hat einen krassen Niedergang erlebt. Der TV-N steht in den Köpfen vieler älterer Kolleg*innen für eine demütigende Niederlage und für Neubeschäftigte bedeutet er Niedriglohn und Ungerechtigkeit.

Wir denken, dass nun für uns als BVG-Belegschaft der Zeitpunkt gekommen ist, uns endlich aus der gebückten Haltung der Unterworfenen zum Befreiungsschlag aufzurichten.
Wir halten es für absolut notwendig, dass die Tarifkommission den Manteltarif Ende September kündigt und die Belegschaft auf den Kampf vorbereitet. Für Ziele, für die sich der Kampf lohnt.

Außerdem ist es unserer Meinung nach nötig, die Manteltarifrunde mit der Lohnrunde 2019 zusammenzuziehen.

Wir schlagen drei zentrale Slogans vor:

  • Gleicher Lohn für gleiche Arbeit!
  • Ein Betrieb – eine Belegschaft!
  • Rettet unseren Nahverkehr!

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ein Betrieb - eine Belegschaft

Solidarität mit Lothar-Erich!

Ein Betrieb = eine Belegschaft!

Unser Kollege Lothar-Erich Kurth macht durch seinen Gerichtsprozess die Ungerechtigkeit bei der BVG öffentlich. Nachdem er einen Augeninfarkt erlitt und unverschuldet fahrdienstuntauglich wurde, hat man ihn vom Fahrer zum Bahnhofsbetreuer mit der Lohngruppe 2 gemacht.

Obwohl er seit dem Jahr 2000 mit BVG-Fahrzeugen Fahrgäste befördert, erst als Bus-, dann als Zugfahrer, weigert sich das BVG-Management, ihm den Lohnverlust auszugleichen. Stattdessen erklären die Verantwortlichen, dass für Lothar-Erich eine saftige Lohnkürzung sein müsse, weil er bis 2014 bei der hundertprozentigen BVG-Tochter BT gearbeitet hat. Bei Übernahme in die Stammbelegschaft hat man ihm zwar die BT-Jahre als Betriebszugehörigkeit angerechnet und hinsichtlich der „alltäglichen“ Folgen auch berücksichtigt. Aber im jetzigen Fall von Lohnerhalt besteht das Management plötzlich darauf: Wer zum Stichtag noch keine „Blaujacke“ war, ist es nicht wert, bei Schicksalsschlägen abgesichert zu sein. Genauso wenig, wie alle „Neubeschäftigen“ von uns.

Aber mit seiner Klage will Lothar-Erich auch den Skandal der Ungleichbehandlung überall in diesem Vorzeigebetrieb Berlins in die Öffentlichkeit bringen. Die Spaltung der Belegschaft in „BVGer*innen“ und „Fremdfirmen“-Kolleg*innen, v.a. „BTer*innen“. Die Spaltung in „Altbeschäftigte“ und „Neubeschäftigte“ und überhaupt die TV-Niedriglohn-Zustände. Nicht zuletzt rückt er auch die „Wertschätzung“ des Managements des „Top Employers“ für uns Arbeiter*innen ins Rampenlicht.

Bei der Verhandlung am 13. Juni entschied das Gericht erstmal doch für das Management. Es waren immerhin fast 20 Menschen solidarisch dabei, u.a. studentische Beschäftigte und Kolleg*innen von Vivantes. Lothar-Erich wird in die Berufung gehen. Wir werden diesen Termin nutzen, auf die unhaltbaren Zustände bei der BVG und unseren Kampf dagegen hinzuweisen.

Befristungen wieder da!

In der ersten Ausgabe von aktiv (2014) titelten wir „Keine Befristungen!“ Da hieß es noch von der Funktionär*innen-Mehrheit: Sachgrundlose Befristungen wären halt gesetzlich erlaubt, da könne man leider nichts machen. Die Kolleg*innen von VBO-Süd zeigten bei einer Aktion auf der Personalversammlung 2013 der Befristungspraxis die rote Karte.

Nachdem die Funktionär*innen-Mehrheit die Befristungen doch zum Thema gemacht hatte, entschied der BVG-Vorstand vor etwa zweieinhalb Jahren, sachgrundlose Befristungen für zwei Jahre auszusetzen – allerdings exklusiv für BVG-fahrer*innen. Alle anderen konnten auch weiterhin durch befristete Arbeitsverträge entrechtet werden.  Weiterlesen

Das Ding mit der Dienstkleidung

Da ist dem Management mal wieder ein Coup gelungen. BVG und BT konnten sich (vorerst) um massive Arbeitszeit-Ansprüche ihrer Beschäftigten herumwinden.

Zu Jahresanfang waren die Dienstkleidungsträger*innen unter uns deshalb mit einem schwer verständlichen, verworrenen Regelwerk konfrontiert. Diese Nebenabrede zum Arbeitsvertrag ist eine reine Verzichtserklärung.

Du verzichtest auf deine Ansprüche aus der Abholung/Abgabe der Dienstkleidung einschließlich der Anprobe- und Wartezeiten, aus den Umkleidezeiten, We­gezeiten zum und vom Arbeits­platz, der allgemeinen Belastung durch sichtbare Betriebszuge­hörigkeit auf dem Arbeitsweg, sowie dem außerdienstlichen Mitführen und der Aufbe­wahrung von Arbeitsmitteln.

Diese Ansprüche standen im Raum, nachdem der Betriebsrat der Stuttgarter Straßenbahn AG erfolgreich geklagt hatte. Der Betriebsrat der Stuttgarter Kolleg*innen kämpft jetzt um die Einarbeitung der Zeiten in die Dienstmasse.

In Berlin umschiffte man schnell solche Auseinandersetzungen: für 80,00 EUR brutto sind die Berliner Ver­kehrsarbeiter*innen ruhiggestellt. In Berlin lässt sich‘s halt noch sehr günstig leben – wenn man ein großes Unterneh­men ist. Die dreiste Idee des Managements, Kolleg*innen in Teilzeit, den geringen Pauschalbetrag zu kürzen, soll angeblich vom Tisch sein. Aber besser ist nachrechnen!
Alle Busfahrer*in­nen werden oben schon die Stirn gerunzelt haben: Ihr bekommt – genau – nicht 80,00 bzw. 30,00 EUR, sondern entsprechend 90,00 bzw. 40,00 EUR. Denn mit dem zusätzlichen monatlichen Zehner sind jetzt auch gleich Verantwortung, Schlepperei und Abgabezeiten für die Kasse abgegolten.

Die Grundlage für die neue Nebenabrede bildet der „Tarifvertrag Pauschalentgelt“ der von ver.di (und dbb/tarifunion für die NahVG) mit dem BVG-Manage­ment abgeschlos­sen wurde. Unsere Tarif­kommission (TK) trat letztes Jahr ziemlich überraschend aus der Totenstille, mit der Verkündung einer Mitgliederbefragung.

Diese Mitgliederbefragung war allerdings so schlecht organisiert, dass Zweifel an der Korrektheit des Ergebnisses angebracht sind. Denn einerseits war Vieles, wie allein schon die ganze Kassen-Prob­lematik der Busfahrer*innen, in anderen Bereichen unbekannt. Andererseits war der Stimmzet­tel ein wirklich haarsträubendes Schriftstück. Der Gegenstand der Abstimmung wurde verschleiert, es wurde vorgegaukelt, eine Ablehnung zum Tarifvertrags-Entwurf wäre ein Nein zu Dienstkleidung, Steuervorteil und Geld. Die Methode, erst keine Diskussion zu organisieren und dann plötzlich eine „Friss-oder Stirb“-Abstimmung zu machen ist demokratisch ungenügend. Man hätte sehr wohl einen Kampf um die wertvollen Ansprüche führen können. Mit dem Ziel, den unerträglichen Dienstplanwirkungsgrad zurückzudrängen.

Nichtsdestotrotz ist die Mit­gliederbefragung beispielhaft: Wir begrüßen es sehr, dass die TK offenbar nach Wegen sucht, der Gewerkschafts-Basis die Entscheidung über unsere kollektiven Arbeitsverträge (Tarifverträge) zu geben. Hinsichtlich der laufenden Lohnrunde (die ja noch bedeutender ist als der TV Pauschalentgelt) erwarten wir eine viel besser organisierte Abstimmung! Wir helfen gern.

Und wir wollen gerne über die durch die Mitgliederbe­fragung gelungen aufgeworfene Frage der modernen innergewerkschaftli­chen Demokratie zielorientiert diskutieren und Fortschritte machen. Außerdem ist die Dientskleidungsregelung nur ein Teilaspekt des ganzen TV-N und steht deshalb 2018 mit dem ganzen Manteltarif wieder zur Diskussion.

Die Personalratswahlen 2016

Die Personalratswahlen sind vorbei. Ganz vorbei? Nein. In VBO-Nord wird die Wahl wegen Wahlmanipulationen juristisch angefochten. Also wer weiß? Vielleicht gibt es noch einmal Wahlen. Wir werden über den Fortgang dieses Prozesses berichten.

Jedenfalls wurden die Dienststellen-Personalräte und der Gesamtpersonalrat inzwischen konstiuiert. Im GPR hat die offizielle ver.di Liste 16 von 27 Sitzen und beherrscht das Gremium voll und ganz. Doch sie hat gegenüber der letzten Wahl fünf Sitze eingebüßt. Die Offene Liste aus ver.di aktiv und Mitgliedern anderer Gewerkschaften und noch Unorganisierten, konnte dagegen einen Platz hinzugewinnen und hat nun drei Kolleg*innen aus allen drei Fahrbereichen im Gremium. Außerdem sind in den Personalräten der Dienststellen VBO-Nord, VBO-Süd, VBS und VBU Vertreter*innen der Offenen Liste. Dort haben allerdings auch überall die üblichen freigestellten Personen die Mehrheiten bekommen und können „ihr Ding machen“.

So sind z.B. unsere Vorschläge zu Halbtags-Freistellungen mehrerer Gremienmitglieder statt wenigen Vollzeit-Freistellungen abgelehnt worden. Allerdings hat der Personalrat der Dienststelle VBO-Süd, wo wir am stärksten sind, nach etwas hin und her immerhin den Kollegen Erdoğan Kaya als viertes (zusätzlich) freigestelltes Mitglied gewählt. Das Wahlergebnis werten wir allgemein klar als Erfolg. Wir danken allen, die die Offene Liste gewählt haben, für ihre Stimme!

Das Wichtigste ist jedoch etwas anderes als die Sitze! Viele Kolleg*innen sind mit ihrer Kraft und Kreativität aktiv geworden und haben im Wahlkampf das Programm und die Idee einer starken, konfliktfähigen Basis und einer anderen Personalratsarbeit verbreitet. Der Slogan „Veränderung geht nur mit Dir!“ war eine sichtbare inhaltliche Alternative zur bürokratischen Stellvertretungspolitik eines abgehobenen Personalratswesens. Und darum geht es schließlich.

Wir stehen vor der schwierigen Aufgabe, im Rahmen der Möglichkeiten eine demokratischere PR-Arbeit zu entwickeln. Dies wird nur in einem Wechselverhältnis zu aufmerksamen und aktiven Kolleg*innen möglich sein. Wir freuen uns darauf, dies gemeinsam voranzubringen!

Offene Liste im GPR der BVG:

Erdoğan Kaya (Busfahrer, freigest.), Aimo Tügel (Zugfahrer), Jens-Peter Paschke (Straßenbahnfahrer)

GPR-Nachrücker*innen:

Ekin Karaduman, Serdar Yalcinkaya, Wolfgang Wendt, Jenny Becker, .… und weitere

www.offene-liste.de

Im größten ÖPNV-Unternehmen in Deutschland

Die Berliner Verkehrsbetriebe sind das größte ÖPNV-Unternehmen in Deutschland. Zu ihm gehören zehn U-Bahn-, 22 Straßenbahn- und über 200 Buslinien. Letztes Jahr durchbrach die Zahl der Fahrgäste die Milliardengrenze. Zusammen mit den Kolleg*innen der DB-Nahverkehrstöchter (S-Bahn und DB-Regio) sorgen wir BVG-Arbeiter*innen für die Mobilität der Berliner*innen.

Doch über unserer Belegschaft wurde von Seiten des (insbesondere rot-roten) Senats und des Vorstands eine Sparorgie durchgezogen. Unsere Zahl wurde seit Anfang der 1990er auf circa 11.000 halbiert, das Bahnhofspersonal abgeschafft. Reiniger*innen, Werbeleute, auch ein großer Teil des Fahrpersonals wurden ausgegliedert. Wartungsintervalle der Fahrzeuge und Lenkzeiten der Fahrer*innen werden in die Länge gezogen. Prekarisierung ist keineswegs ein Fremdwort bei der Anstalt des öffentlichen Rechts. Befristungen sind ein großes Thema.

2005 wurde die BVG aus dem öffentlichen Dienst herausgezogen und ein (Berliner) Tarifvertrag Nahverkehr (TV-N) eingeführt. Dieser Absenkungstarifvertrag drückte unter Androhung einer eventuellen Privatisierung die Löhne. Während die „Altbeschäftigten“ dabei noch sogenannte Sicherungsbeträge in verschiedener Höhe bekommen, verdienen die „Neubeschäftigten“ mehrere hundert Euro weniger, bei längerer Arbeitszeit.

Die betrieblichen Gewerkschaftsfunktionär*innen und Sekretär*innen verteidigen den TV-N bis heute. Der Organisationsgrad unserer Gewerkschaft ist seitdem um schätzungsweise 25 Prozentpunkte gefallen. Viele neue Kolleg*innen treten gar nicht erst in unsere Gewerkschaft ein. Zu fest ist ihrer Meinung nach die sozialpartnerschaftliche Bindung von ver.di an die Betriebsführung. Im BVG-Block auf der 1. Mai-Demonstration läuft der Personalvorstand Schulte einträchtig mit. Ob er, wie sein Vorgänger, geehrtes Mitglied unserer Gewerkschaft ist, wissen wir nicht. Jedenfalls haben er und seine Vorstandskolleg*innen Nikutta und Haenecke noch einiges vor. Was das für Löhne und Arbeitsbedingungen, sowie für die Sicherheit von Arbeiter*innen und Fahrgästen bedeutet, hängt auch davon ab, was wir gemeinsam aktiv gegen die Kürzungspolitik tun.

gdl

Wer oder was ist die Basisgewerkschaftsgruppe ver.di aktiv?

Aus der aktiven Zeit des „Netzwerks für eine kämpferische und demokratische ver.di“ kannten sich drei Kollegen, die später zu den Gründern von ver.di aktiv gehörten. Das war 2004, als der Tarifvertrag Nahverkehr (TV-N) in Berlin vor der Einführung stand. Gemeinsam engagierten wir uns gegen die verlogene Politik unseres damaligen Gewerkschaftssekretärs. Doch zwischen 2005 und 2007 wurde der verhasste Tarifvertrag festgeschnürt.

Als 2012 Personalratswahlen anstanden, kam es zur Aufstellung einer Offenen Liste. Diese Gruppe machte regelmäßige Treffen und bildete die Grundlage unserer heutigen basisgewerkschaftlichen Oppositionsgruppe.

Einen Anteil hatte dabei auch der Besuch der ersten „Erneuerung durch Streik“-Konferenz in Stuttgart 2013. In kritischer Auseinandersetzung mit den Stuttgarter Tendenzen hin zu mehr Basisbeteiligung (welche letztlich doch die Macht beim Apparat lassen wollten), diskutierten wir unsere Politik. Um den Jahreswechsel 2013/14 herum entstand so eine Gruppe, die der Stellvertretungspolitik, der Sozialpartnerschaftslüge, dem gewerkschaftlichen Niedergang und der Resignation den Kampf ansagt.

Wir kamen zu dem Entschluss, eine eigene Publikation herauszugeben, um mit mehr Kolleg*innen in Kontakt zu kommen. aktiv soll die Diskussion und das Selbstvertrauen der Kolleg*innen stärken. Dabei legen wir viel Wert auf den Blick über den Tellerrand und versuchen durch Berichte die Erfahrungen von anderen Kämpfen der Arbeiter*innenklasse (auch international) nutzbar zu machen.

Wir nahmen uns als erste im Betrieb offensiv dem Thema Befristungen an. Eine „Rote-Karte-Aktion“ bei einer Personalversammlung bildete den Auftakt. Schließlich interessierten sich die Gremienvertreter*innen auch für dieses bislang „nicht zu ändernde“ Übel. Zur Zeit sind Befristungen vom Vorstand probeweise eingeschränkt.

Beim Streik der Kolleg*innen der DeutscheBahn-Unternehmen (inklusive S-Bahn) solidarisierten wir uns und organisierten auch eine erste kleine Solidelegation.

Unser Blick geht über den Betrieb hinaus. Als 2014 die Geflüchtetenbewegung die aktivste soziale Bewegung im Land war, die Gewerkschaften sich aber wenig für sie interessierten, versuchten wir einzugreifen. Wir organisierten Treffen „Geflüchtete Kolleg*innen und Gewerkschaften“, an denen verschiedene Gewerkschafts- und Refugee-Gruppen teilnahmen. Von diesen Treffen aus gab es eine Kundgebung gegen eine Verschärfung des Asylrechts, Protest gegen die unfassbare polizeiliche Räumung von geflüchteten Kolleg*innen aus dem Berliner DGB-Haus und schließlich Ende 2014 eine größere Veranstaltung im Berliner IG Metall-Haus. Vor allem wollten wir klar machen: Geflüchtete Menschen sind entrechtete Arbeiter*innen. Sie sind unsere Kolleg*innen und Subjekte (nicht Objekte) von politischer Veränderung.

Auch bei der Verteidigung des Streikrechts und dem Widerstand gegen das Tarifeinheitsgesetz versuchten wir uns einzubringen. Wir organisierten eine Protestaktion vor dem DGB-Bundeskongress. Wir thematisierten es in unserer Zeitung und am 1. Mai 2015 auf unserem Banner. Wir organisierten eine Podiums-Veranstaltung zum Thema – zu der unser Betriebsgruppenvorstand seine Beteiligung leider absagte, weil zwei GDL-Mitglieder teilnahmen.

Kurze Zeit später flatterte uns ein Beschluss ins Haus, der versuchte, unsere Tätigkeit zu verbieten. Mit einer Kampagne konnten wir uns aber dagegen wehren und können uns inzwischen wieder im ver.di-Haus treffen.

Sehr stark machen wir uns weiterhin immer für eine Gewerkschaft, in der die Basis wirklich das Sagen hat. Alle Funktionär*innen, auch die Sekretär*innen, müssen von uns Betroffenen gewählt und abwählbar (d.h. uns und nicht dem Apparat verantwortlich) sein. Eine Gewerkschaft muss der aktive Zusammenschluss der Arbeiter*innen für ihre gemeinsamen Interessen sein.

Bisher lief alles nicht ideal. Wir haben noch sehr viel vor.

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WE WANT YOU for Personalvertretung!

Auch bei den diesjährigen Personalratswahlen bei der BVG tritt ver.di aktiv gemeinsam mit anderen Gewerkschaftsmitgliedern und -nichtmitgliedern gegen die offizielle Liste der ver.di-Betriebsgruppe und die übrigen Listen an.

Davon gibt es nicht wenige. Seit Einführung des verheerenden Tarifvertrags Nahverkehr und der Niederlage in einem Streik (für eine geringere Lohnkürzung als die vom Vorstand gefordert!) ist die Personalrats-Landschaft relativ zerklüftet. Dies zeigt sich alle vier Jahre. Es gibt Wahlantritte der dbb-Gewerkschaft NahVG, der kleinen GVV und dann weitere Listen, die von ver.di-Mitgliedern gegründet wurden und bürokratische Fraktionen im Kampf um Posten repräsentieren.

Allen gemein ist, dass sie auf jedes Programm verzichten. Jede bietet sich als die allgemein bessere Stellvertretung der Kolleg*innen an. Dass es einen Wahlantritt auf Grundlage eines Programms gibt, entbehrt jeder Vorstellung. So wurde ver.di aktiv von einer Seite gefragt, ob es nicht einen gemeinsamen Wahlantritt geben könne. Vorschlag: abwechselnde Platzierung auf der Liste. Nachdem wir geantwortet hatten, dass eine gemeinsame Liste allein eine Frage des Programms sei, bekamen wir einige Zeit später den gleichen, rein formellen Vorschlag erneut.

Mit unserer Offenen Liste stehen allein wir außerhalb dieser Zustände, die eine Folge bürokratischer Gewerkschaftstraditionen und Gremien-Fixierung sind.

Wenn wir die Verhältnisse ändern wollen, dann müssen wir eine andere Belegschaft werden. Nur eine kämpferische Basis kann eine wirklich starke kämpferische Führung hervorbringen. Das ist das Ziel unserer Arbeit, als ver.di aktiv und auch als Offene Liste. Unser Wahlantritt dient der Mobilisierung der Kolleg*innen. Sie ist gegen die Stellvertretungspolitik gerichtet, wie sie bis in die linkesten Teile der Gewerkschaften noch als weitgehend unveränderlich anerkannt wird.

Aus dem Programm der Offenen Liste:

Der Personalrat ist kein Dienstleistungsunternehmen. Als Offene Liste stehen wir deshalb für eine Personalratsarbeit, die die diekte Verbindung mit allen Kolleg*innen sucht. Der Personalrat sollte kein „Experten“-Gremium sein, in das der Rest der Beschäftigten keinen Einblick erhält.

Deshalb versprechen wir, bei regelmäßigen offenen Treffen mit allen interessierten Kolleg*innen über unsere Arbeit im Personalrat zu diskutieren. Bei diesen Treffen werden wir uns allen kritischen Fragen stellen und gemeinsam überlegen, wie wir unsere Forderungen in die Realität umsetzen können – innerhalb und außerhalb des Personalrats!

Gleichzeitig sind wir der Meinung, dass sich die Mitglieder im Personalrat nicht zu weit von der Realität der Kolleg*innen und Kollegen im Fahrdienst, in den Werkstätten und in der Verwaltung entfernen dürfen. Deshalb sollten Mandate im Personalrat begrenzt und Personalratsplätze rotiert werden.

In Verbindung mit der ständigen Diskussion mit der aktiven Basis können wir verhindern, dass sich der Personalrat verselbstständigt. Das ist ein erster Schritt zu einer wirklich demokratischen Interessenvertretung – viel demokratischer, als nur einmal alle vier Jahre ein Kreuz bei einer Personalratsliste zu machen.

Wir versprechen eine demokratische Personalratsarbeit!

Wir benötigen deinen Einsatz und den Druck der Kolleg*innen an der Basis!

Gemeinsam können wir es schaffen!

Unser Engagement gründet sich auf Solidarität und Respekt gegenüber allen Menschen – unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Alter, sexueller Orientierung und Hautfarbe – mit dem Ziel, gemeinsam für die Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen aller zu kämpfen!

Wir müssen für unsere gemeinsamen Interessen zueinander stehen und die Solidarität stärken, auch über die Grenzen der BVG hinaus! Denn gerade unsere Kampffähigkeit hängt von der Solidarität anderer Betriebe und der Bevölkerung ab. Die Erfahrungen in aller Welt zeigen und, dass uns der Konkurrenzkampf untereinander nur schaden kann!

Wir wollen die Solidarität untereinander und auch mit Kolleg*innen anderer Betriebe stärken und aktiv entwickeln! Denn Solidarität ist unsere Stärke!