BVG, der „gute“ Arbeitgeber!

Von Wolfgang Wendt, ehemaliger Busfahrer bei der BVG

Viele Jahre sind ins Land gegangen, dass ein neu beschäftigter Kollege den Bus durch Berlin lenkt. Egal ob Doppeldecker, Schubgelenkbus oder Eindecker. In dieser Zeit gab es permanent Fahrpersonalmangel, also wird schon mal die eine oder andere Überstunde, sprich „Fahren auf Frei“ geleistet. Es geht ja um das reibungslose Funktionieren des Fahrdienstes. Dass es in Berlin nicht selten Baustellen, Umleitungen oder Feuerwehreinsätze gibt, sollte sich in den Etagen des Vorstandes und deren Handlangern langsam rumgesprochen haben. Die Folge sind Stau und Verspätungen fast rund um die Uhr.

Doch, ach weh, wenn`s mal wirklich an die Schmerzgrenze der Kolleg*innen geht, dann ist innerhalb der BVG keiner mehr Freund. Nicht mal ehemalige Busfahrer*innen, die ja den Stress hinterm Lenkrad kennen sollten. Nein diese Kolleg*innen haben erfolgreich die Gruppenleiterschulung absolviert und stehen nun voll hinter dem Management des Vorstandes der BVG. Nun heißt es den Druck auf die Fahrer*innen erhöhen. Diese Gruppenleiter*innen haben alles, aber wirklich alles vergessen. Sie kennen die Dienstpläne und deren Inhalte, die nicht wirklich hinreichend Ruhephasen für Fahrer erlauben. Wie sagte doch vor einigen Jahren ein Vorstandsmitglied zur Personalratssitzung: „Es ist wirtschaftlicher den Bus an der Endstelle vier Minuten, anstatt 24 Minuten stehen zu lassen“. Welch eine arrogante Art und Weise gegenüber jedem Fahrer, jeder Fahrerin. Dies ist jedoch der tägliche Maßstab, den Gruppen- und Fahrdienstleiter*innen den Kolleg*innen rüberbringen.

Selbst wenn sich Fahrer*innen nach einigen Verspätungsrunden das Recht erkämpft für ne runde halbe Stunde eine Ruhepause einzulegen, so droht ihnen über eine „Anhörung wegen fahrgastrelevantem Ausfall“ durch Gruppen- und Fahrdienstleiter*innen „eine mögliche Abmahnung“. Selbst dann, wenn Kolleg*innen sich zu einem gewissen Zeitpunkt im Dienst nicht mehr in der Lage fühlen, das Fahrzeug sicher zu steuern. Zu Deutsch heißt das unter Expert*innen „Fahrfähigkeit“. Diese Fahrfähigkeit dürfen Fahrer*innen nicht unterschätzen. Es steht außer Zweifel, dass im Schadensfall nur die Fahrer*innen zur Verantwortung gezogen werden. Erst vor kurzem, am 20. Januar 2020, gab es einen Unfall mit dem Bus der Linie 265, wo eine Radfahrerin zu Tode kam.

Das Institut für Rechtsmedizin der Universität Zürich definiert “Fahrfähigkeit” folgendermaßen: “Momentane, zeitlich umschriebene sowie ereignisbezogene, physische und psychische Befähigung zum sicheren Lenken eines Motorfahrzeugs im Straßenverkehr.“

Zum Begriff der Fahrtauglichkeit findet man folgendes: „Fahrtauglichkeit ist ein Begriff aus der Verkehrsmedizin und bezeichnet die zeitlich und situationsabhängige Fähigkeit zum Lenken eines Fahrzeuges im Straßenverkehr. Sie kann durch physische und psychische Faktoren beeinflusst werden.“

An diesem Beispiel können Gruppen- und Fahrdienstleiter*innen noch eine Menge lernen. Denn können Überstunden, zu viel Stress oder andere Einflüsse von außen die Fahrfähigkeit- bzw. -tauglichkeit negativ beeinflussen. Vieles davon könnte durch eine Verkürzung der Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich und einer Aufstockung des Personals verbessert werden. Denn weniger Arbeit bedeutet oft weniger Stress und mehr Konzentration. Das ist nicht nur im Interesse der Fahrer*innen, sondern dient auch der Sicherheit aller Fahrgäste und aller anderen Teilnehmer*innen im Straßenverkehr.

Für alle Fahrer*innen gilt deshalb gleichermaßen vor allem ein Satz: Nimm dir eine Pause, wenn du dein Fahrzeug nicht mehr sicher führen kannst.

Mit diesem Artikel appelliere ich an alle Verantwortungspersonen, insbesondere Personalräte und deren Mitglieder, solche Machenschaften, die den Kolleg*innen unnötigen Ärger bereiten zu unterlassen. Es ist notwendiger denn je, dass gewählte Gremien sich den Anliegen der Fahrer*innen zu dieser Problematik annehmen, um die Sicherheit des Fahrpersonals und im Straßenverkehr zu gewährleisten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.